Porträt Jazzsaxofonistin Ingrid Laubrock „Musikalischer Freigeist statt politisches Chaos“
Von Maxi Broecking (TAZ). Die in New York lebende Saxofonistin Ingrid Laubrock hat den deutschen Jazzpreis 2025 erhalten. Unerschrocken setzt sie sich gegen Donald Trump ein.
Kein gängiger Titel für ein Jazzalbum: „Contemporary Chaos Practices“, so heißt ein Werk von Ingrid Laubrock, veröffentlicht 2016 – während des äußerst umkämpften Wahlkampfs zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, aus dem Trump damals erstmals siegreich als US-Präsident hervorging: „Contemporary Chaos Practices“, zeitgenössische Chaospraktiken.
Auf der musikalischen Ebene drängen sich Strukturen in Laubrocks schnellen, schwindelerregenden Saxofonläufen, laufen über- und gegeneinander, um im nächsten Moment wieder zu zersplittern. Eine polyphone Kathedrale aus scharfkantigen Klangfragmenten entsteht dabei, die die Künstlerin immer wieder mit eleganter Leichtigkeit auffängt. Das Chaos bezeichnet vollständige Unordnung, in der Physik die Unvorhersehbarkeit von Prozessen.
© TAZ, Kultur, Musik, 28.8.2025