Porträt über das Leipziger Musiklabel Altin Village & Mine: „Es geht darum, dem Gefühl der Ohnmacht etwas entgegenzusetzen“
Von Luca Glenzer (JungleWorld). Seit seiner Gründung im Jahr 2002 hat sich Altin Village & Mine zu einem der interessantesten Labels für Experimental- und Popmusik in Deutschland entwickelt.
Das unterstreicht auch die kürzlich erschienene Compilation „Free/Future/Music“, die darüber hinaus Fragen über die politisch-gesellschaftliche Rolle von Musik aufwirft.
Nur selten wurde in den vergangenen zehn Jahren eine Gelegenheit verpasst, den Namen des 2017 verstorbenen britischen Kulturtheoretikers Mark Fisher zu nennen, wenn es um das Verhältnis von Popkultur und Gesellschaftskritik ging. In seinen beiden wegweisenden Büchern „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“ und „Gespenster meines Lebens“ hatte er seinerzeit die pointierte These vertreten, dass die Musik der Gegenwart ihr utopisches Potential verloren habe. Dieser Schlussfolgerung lag die – angesichts des Retro-Booms des 21. Jahrhunderts nur allzu nachvollziehbare – Beobachtung zugrunde, dass neue künstlerische Ergüsse nur noch „Variationen des bereits Gewesenen“ bereithielten – und ihnen deshalb gehaltvolle Zukunftsvorstellungen fehlten.
© JungleWorld, Dschungel, 29.5.2025