Bebop, Blues, Barock – zum 100. Geburtstag des Pianisten John Lewis // Der kapriziöse Großmeister – Pianist Keith Jarrett wird 75.
Das Modern Jazz Quartet war die am längsten bestehende Formation der Jazzgeschichte. Es trug die Botschaft des Jazz in Konzertsäle und bürgerliche Wohnzimmer der ganzen Welt. Musikalischer Kopf war der Pianist John Lewis. Am 3. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Modern Jazz Quartet aus dem Umkreis der brodelnden Dizzy Gillespie Big Band hervor. Es wurde zum Inbegriff von Ausgewogenheit und Mäßigung im Jazz. Lewis selbst dehnte seine Bandbreite weiter aus: Er spielte Bachs „Wohltemperiertes Klavier” auf Platte ein und wusste ebenso an der Seite von Charlie Parker, Lester Young und Miles Davis zu überzeugen – schon in jenem Davis-Nonett, das 1949 dem Jazz neuartige, coole Impulse gab.
Seine Solo-Konzerte sind Legende, seine Bands Meilensteine, sein spielerisches Niveau extraordinär: Am 8. Mai konnte der Starpianist des Jazz schlechthin, Keith Jarrett, seinen 75. Geburtstag feiern. Jarretts große Karriere begann mit Anfang 20 im legendären Quartett des Saxofonisten Charles Lloyd. 1970 wechselte er in die Fusion-Band des Trompeters Miles Davis – um sich bald darauf konsequent von elektrischen Instrumenten abzuwenden. Mit seinem Soloalbum „Köln Concert“ – das er selbst für misslungen hält – landete er einen spektakulären Verkaufserfolg. Seine vielen folgenden Solo-Recitals aber setzten unerreichte künstlerische Maßstäbe. In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren unterhielt Jarrett parallel ein amerikanisches und ein europäisches Quartett. Letzteres wurde zum Sprungbrett für den Saxofonisten Jan Garbarek. Im Trio mit dem Bassisten Gary Peacock und dem Schlagzeuger Jack DeJohnette schließlich bildet Jarrett eine der langlebigsten Formationen der heutigen Musik. Sie bringt das Kunststück fertig, die scheinbar längst zu Genüge ausgelotete Tradition des Great American Songbook aufregend lebendig zu halten.