Radiotipps für den 6.9.2025
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht
„Es überkamen mich ganz eigenartige Empfindungen des Entsetzens“
Eine Lange Nacht über den deutschen Kolonialismus in Tansania
Von Jochen Rack Regie: Philippe Brühl
Die Kolonisierung von Deutsch-Ostafrika war ein kriegerisches Geschehen. Gegen die Unterwerfung durch die kaiserliche „Schutztruppe“ leisteten die örtlichen Bevölkerungen erbitterten Widerstand. Vom Aufstand der sog. Küstenleute im Jahr 1888 bis zum Maji-Maji-Krieg 1905 bis 1907 kam es zu antikolonialen Erhebungen in Tanganjika, das das heutige Tansania und Teile von Ruanda und Burundi umfasste. Deutsche Soldaten, unterstützt durch afrikanische Söldner, setzten die Dörfer und Felder der Aufständischen in Brand, raubten ihr Vieh und verhängten die Todesstrafe gegen die Anführer. „Eigenartige Empfindungen des Entsetzens“ verspürte der deutsche Kolonialoffizier Tom von Prince, als er die Leiche eines von seinen Soldaten getöteten Hehe-Mädchens zu Gesicht bekam. Erbeutete Waffen und Kunstobjekte, aber auch menschliche Schädel von getöteten Chiefs gelangten in völkerkundliche und anthropologische Sammlungen in Deutschland. Im Zeichen des Postkolonialismus bemühen sich heute deutsche und tansanische Aktivisten um die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und fordern die Rückgabe geraubter Objekte und menschlicher Gebeine.
9:04 Uhr SWR Kultur Musikstunde
Jazz global: Six Strings of Sahel – Die Vielfalt der Westafrikanischen Gitarrenmusik. Mit Konrad Bott
Wenn man den „Desert Blues“ im Nordwesten Afrikas unter die Lupe nimmt, scheinen die Musiker und Bands so vielfältig wie die Sandkörner der naheliegenden Sahara. Ob von den Tuareg oder den Griots – wir hören uns an, welche Musikkulturen sich in Mali, Algerien, Niger und Burkina Faso seit Jahrzehnten mit Jazz und Blues verbinden. Und wir verfolgen die Verbindungen und Unterschiede in allem, was unter dem Namen „Desert Blues“ in einen Topf gepackt wird.
15:00 Uhr ByteFM Golden Glades mit Sandra Zettpunkt
Große Schuhe
In Naarm/Melbourne gibt es unzählige Musikprojekte, für die Multitalent Dylan Young als musikalischer Joker fungiert. Stets solide hilft er am Schlagzeug aus, bedient die Regler oder bezahlt das Bier. Mit seinem eigenen Projekt Way Dynamic geht es nun in die dritte Runde, und zwar unter dem Motto „Massive Shoe“. Das passt gut, denn die Vorbilder, an denen sich Young orientiert, sind die ganz großen: Beatles, Beach Boys und Nick Drake stehen Pate, doch Young schustert etwas Eigenes daraus.
18:20 Uhr SWR Kultur Jazz
Me and My Music – Elina Duni. Von Julia Neupert
„Meine Heimat ist meine Stimme“, sagt Elina Duni; ihre Musik ist in verschiedenen Traditionen zu Hause. Die albanisch-schweizerische Sängerin wuchs als Tochter einer Schriftstellerin und eines Regisseurs in Tirana und Genf auf; ihre Songs interpretiert sie heute in zwölf Sprachen! Sie singt von Abschieden, Veränderungen und Erinnerungen – und zeigt dabei, wieviel Kraft in fragilen, lyrischen Momenten liegen kann. In unserer Sendereihe „Me and My Music“ hören wir Elina Duni im Zwiegespräch mit ihrer Musik.
19:00 Uhr HR 2 Live Jazz
Jakob Bänsch Quartett | 55. Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2024
Jakob Bänsch Quartett || Jakob Bänsch, tp, flh | Niklas Roever, p | Jakob Obleser, kb | Leo Asal, dr | 55. Deutsches Jazzfestival Frankfurt, Hessischer Rundfunk, hr-Sendesaal, Oktober 2024
19:04 Uhr Zündfunk Playback
Doris Dörrie über Leben, Schreiben und ihre liebste Musik
Wiederholung vom 17. Mai 2025
Ende Mai wurde Doris Dörrie, die große Regisseurin, Autorin und Dozentin an der Filmhochschule, 70 Jahre alt. Musik hat in ihren Filmen und ihrem Leben immer eine große Rolle gespielt.
Deshalb hat „Zündfunks“ Musikchef Doris Dörrie bei ihr zuhause in München-Schwabing besucht und mit ihr geredet über das Schreiben, über Demut, Dankbarkeit, über Vergänglichkeit und über die Kreativität. Darüber, was Filme und Kunst ausrichten können in diesen schweren Zeiten voller Krisen und Konflikte! Zeiten, in denen ein unberechenbarer amerikanischer Präsident die Kreativität überall dort zu beschneiden versucht, wo sie ihm nichts nutzt.
Unser Autor hat sich zur Vorbereitung auf diese Sendung eine Menge der Filme von Doris Dörrie nochmal angeschaut, etwa „Freibad“ mit Andrea Sawatzki, „Glück“ mit Alba Rohrwacher, „Männer“ mit Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht – der Film der Doris Dörrie schlagartig berühmt gemacht hat. Oder den wunderbaren Film „Kirschblüten Hanami“ mit den leider schon verstobenen Schauspielern Elmar Wepper und Hannelore Elsner. Unser Autor findet: die Filme sind unglaublich gut gealtert, haben den Test der Zeit locker bestanden.
Die Musik für diese Stunde „Zündfunk“ hat Doris Dörrie selbst ausgesucht und erzählt uns und Euch, warum sie ihr so wichtig ist. Schon als junge Frau hat sie Punk
geliebt, aber auch Velvet Underground und Jefferson Airplane, später auch Erobique und Jacques Palminger. Und sie macht auch uns ein Kompliment: Wann immer es geht, auch in Japan, versucht sie, um 19 Uhr den „Zündfunk“ zu hören und dort neue Tipps zu bekommen. Jetzt drehen wir den Spieß um und lassen uns von Doris Dörrie und ihren Musikvorschlägen inspirieren.
20:00 Uhr ByteFM Electro Royale Musik aus Strom mit Martin Böttcher
Old School New Wave!
Altes und Neues treffen aufeinander in der neuen Ausgabe von Electro Royale. Mit dabei: Trash Groove Girls, Carmen Villain, Marc Houle und viele andere.
20:03 Uhr ARD Radiofestival. Oper
BBC Proms
Dmitrij Schostakowitsch: „Lady Macbeth von Mzensk“
BBC Singers; Chorus of English National Opera
BBC Philharmonic Orchestra
Leitung: John Storgårds
(Aufführung vom 1. September 2025 in der Royal Albert Hall, London)
20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel
Die Erschöpften (1 & 2/10) Von Oliver Sturm
Ton und Technik: Jean-Boris Szymczak
Komposition: Andreas Bick
Regie: der Autor NDR/Deutschlandfunk 2025
Noch nie war unser Land so gestresst, gereizt und erschöpft. Jetzt wird wahre Erholung zur Bürgerpflicht: Schluss mit Junk-Food-Reisen, Travelhacks und Selfie-Flut – und das bitte im Einklang mit dem 1,5 Grad-Ziel!
Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste benannte „Die Erschöpften“ zum Hörspiel des Monats August 2025.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik
„Musiker, Performer, Storyteller“ Der dänische Akkordeonist Andreas Borregaard
Von Leonie Reineke
Man kennt es aus Hafenspelunken oder von der Straßenmusik: das Akkordeon. Es hat aber auch einen Platz im Konzertsaal. Gerade in der neuen Musik ist es ein beliebter Klangerzeuger, der alle möglichen musikalischen Ausdrucksformen erlaubt – von Rauschklängen in allen Nuancen bis hin zu performativen Konzepten. Auf diesem Terrain bewegt sich auch Andreas Borregaard. Der in Dänemark geborene Akkordeonist arbeitet mit Schaffenden zeitgenössischer Musik aus aller Welt zusammen, widmet sich aber ebenso leidenschaftlich der Literatur für Tasteninstrumente seit 1700. Borregaard wirkt sehr zurückhaltend. Betritt er aber die Bühne, gehört ihm alle Aufmerksamkeit, so sehr blüht er auf in seiner Rolle als Musiker und Performer. Dem Publikum treibt er gelegentlich Tränen in die Augen – ganz gleich, ob er Bach spielt oder in neuen experimentellen Stücken den berührenden Geschichtenerzähler gibt.
23:03 Uhr Bayern 2 Nachtmix
Regionale Bio-Weltraumreisen – fantastische Trips mit DJ Koze
Mit Ralf Summer
Stefan Kozalla ist einer der renommiertesten Musiker aus Deutschland. Nie gehört? Als DJ Koze kennen ihn die Fans, die den Flensburger für seine Mischung aus „Hirn-Hop“, Humor-House und tanzbarem Indie-Pop schätzen. Er begann mit dem Hip-Hop-Projekt Fischmob, startete dann das Electro-Trio International Pony (mit Erobique). Danach ging der Wahl-Hamburger Solo-Wege: als Adolf Noise (verspulter Ambient) und als DJ Koze (mit Club-Sounds). Im „Nachtmix“ und „Zündfunk“ auf Bayern 2 belegte er bereits zwei Mal Platz 1 bei den „Alben Des Jahres“. Anlässlich seines neuen Albums „Music Can Hear Us“ – für das so unterschiedliche Gäste wie Blur- und Gorillaz-Sänger Damon Albarn, Arnim Teutoburg-Weiss vonden Beatsteaks oder Soap & Skin am Mikro standen, haben wir mit Kosi – so nennt man ihn im englisch-sprachigen Raum – gesprochen. Über seine Kindheit im eher unmusikalischen Elternhaus, die beiden Bands und Remixe und stellen seine Musik vor. Ziel des humorvollen Pranksters: Regionale Bio-Weltraumreisen – ohne sich zu bewegen – im Kopf. Wiederholung vom 29. März 2025
23:03 Uhr ARD Radiofestival. Jazz
Feel So Good – Das American Folk Blues Festival 1965. Von Julia Neupert
John Lee Hooker, Big Mama Thornton und Doctor Ross im Kurhaus Baden-Baden – die Premiere des 4. American Folk Blues Festivals war 1965 ein großer Publikumserfolg.
23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht
„Es überkamen mich ganz eigenartige Empfindungen des Entsetzens“
Eine Lange Nacht über den deutschen Kolonialismus in Tansania
Von Jochen Rack Regie: Philippe Brühl
Die Kolonisierung von Deutsch-Ostafrika war ein kriegerisches Geschehen. Gegen die Unterwerfung durch die kaiserliche „Schutztruppe“ leisteten die örtlichen Bevölkerungen erbitterten Widerstand. Vom Aufstand der sog. Küstenleute im Jahr 1888 bis zum Maji-Maji-Krieg 1905 bis 1907 kam es zu antikolonialen Erhebungen in Tanganjika, das das heutige Tansania und Teile von Ruanda und Burundi umfasste. Deutsche Soldaten, unterstützt durch afrikanische Söldner, setzten die Dörfer und Felder der Aufständischen in Brand, raubten ihr Vieh und verhängten die Todesstrafe gegen die Anführer. „Eigenartige Empfindungen des Entsetzens“ verspürte der deutsche Kolonialoffizier Tom von Prince, als er die Leiche eines von seinen Soldaten getöteten Hehe-Mädchens zu Gesicht bekam. Erbeutete Waffen und Kunstobjekte, aber auch menschliche Schädel von getöteten Chiefs gelangten in völkerkundliche und anthropologische Sammlungen in Deutschland. Im Zeichen des Postkolonialismus bemühen sich heute deutsche und tansanische Aktivisten um die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte und fordern die Rückgabe geraubter Objekte und menschlicher Gebeine. Ethnologische Museen wie in Berlin oder München kooperieren mit Wissenschaftlern in Tansania, um Herkunft und Bedeutung der Objekte in ihren Beständen zu erforschen und ggf. Restitutionen zu ermöglichen. Und in Tansania selbst sind an den Schauplätzen ehemaliger deutscher Kolonialherrschaft, z.B. in Iringa im Südwesten des Landes und Old Moshi am Kilimandscharo, Mahnmale und Museen entstanden, die an die Opfer des deutschen Kolonialismus erinnern. Jochen Rack hat sie besucht und mit Aktivisten in Deutschland und Tansania gesprochen.