Release Tipp: Jacob Kirkegaard – Snowblind / The Helen Scarsdale Agency
Wenn ich die Musik von Jacob Kirkegaard höre, bekomme ich Gänsehaut und habe das Gefühl, mitten in einem Schneesturm zu sein. Es ist alles so kalt und feindselig, aber das ist das Leben am Nordpol, wo man ständig ums Überleben kämpfen muss. Kirkegaard sagt dazu: „Ich wollte ein kaltes und feindseliges Album schaffen, aus dem es kein Entkommen gibt, ohne Wärme und Happy End“. Das ist ihm zu 100% gelungen und ein Grund mehr, seine Musik anzuhören und sich warm anzuziehen!

Der abenteuerlustige Komponist und Field-Recordist Jacob Kirkegaard ist in gefährlichen und feindlichen Regionen der Welt kein Unbekannter. In seinem Werk „4 Rooms“ beschwor er den radioaktiven Zerfall durch die Verstärkung der architektonischen Resonanz in Tschernobyl, Ukraine, herauf. Er hat sich auch mehrmals in die arktische Umgebung Grönlands gewagt, um dieses karge, eisige Gebiet zu dokumentieren. Die wiederkehrende Verwendung von Schatten und Mysterium in seinen Werken als Metapher und erweiterte Klangtechnik spiegelt die komplexen, existenziellen Bedingungen wider, die das, was wir als Zivilisation und was wir als Wildnis betrachten, wechselseitig beeinflussen. Abfallentsorgung, Schusswaffen, die Verwesung von Leichen, die unheimliche Stille in Leichenhallen. Dies sind auch die Quellen für Kirkegaards beeindruckendes Werk.

Mit „Snowblind“ wendet sich Kirkegaard der Geschichte zu und einem poetischen, gescheiterten Versuch eines Teams schwedischer Entdecker, den Nordpol Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Ballon zu erreichen. Vielleicht von blindem Abenteuergeist getrieben, vielleicht von seinen eigenen Wahnvorstellungen verzehrt, startete S.A. Andrée im Juli 1897 zu diesem unglückseligen Flug, bei dem er nur zwei Tage in der Luft verbrachte, bevor er ins Eis stürzte und es ihm schließlich nicht gelang, die eisigen Gewässer und Eisschollen zu umschiffen. Doch die Dokumentation ihrer Expedition – fotografisch, wissenschaftlich und tagebuchartig – überlebte und wurde etwa dreißig Jahre nach ihrem Tod entdeckt. © Texte: Liner Notes

„Ich wollte ein kaltes und feindseliges Album schaffen, aus dem es kein Entkommen gibt, ohne Wärme und Happy End“, erklärt Kirkegaard zu Snowblind. “Aber ich wollte jedes unmittelbare Drama vermeiden. Es ist der schleichende Schock, das eisige Gefühl, wenn man erkennt, was verloren ist und dass es kein Entkommen gibt.“ © Texte: Liner Notes