Release Tipp: Laurent Pernice & Dominique Beven – Le Corps Utopique / ADN Records

Ein vertanzter Vortrag des französischen Philosophen Michel Foucault! Was für eine verrückte Idee und damit haben sie mich schon auf ihrer Seite. Ich mag das und das Ergebnis ist auch mehr als überzeugend.


Im Jahr 2018 beschlossen die Schauspielerin und Tänzerin Emma Gustafsson und der Regisseur Laurent Hatat (Anima Motrix Company), einen Radiovortrag des französischen Philosophen Michel Foucault auf die Bühne zu bringen… indem sie ihn tanzen! Sie baten Laurent Pernice, eine Musik zu komponieren, die sowohl den Text als auch den Tanz, der Worte von Michel Foucault erweitert. Emma Gustafsson ist die ausgewählte Darstellerin. Diese Aufführung mit dem Titel „Le Corps utopique“ („Der utopische Körper“), benannt nach der berühmten Konferenz benannt, wurde Ende 2020 im Klap in Marseille uraufgeführt.


Laurent Pernice & Dominique Beven

Während der Komponierens dieser Musik wurde klar, dass nur Blasinstrumente als Atem des Philosophen die Tänzerin begleiten sollten. Laurent Pernice wandte sich daraufhin an Dominique Beven, einen Multiinstrumentalisten (aber vor allem Bläser), der eine große Anzahl von Instrumenten aus der ganzen Welt gesammelt hat. So entwickelte er eine sehr abwechslungsreiche Palette von Klangfarben, die es dem Komponisten ermöglichte, die Farben je nach Szene zu variieren. Die beiden Musiker verwenden irische Flöten, eine laotische Khen, einen armenischen Bass-Doudouk, ein diatonisches Akkordeon, eine Hulisi-Flöte aus Yunnan, ein Moceño aus den Anden, verschiedene Okarinas… Auch wenn diese Instrumente aus sehr unterschiedlichen Kulturen stammen, ist die Musik keineswegs Teil einer Art Weltmusik-Fusion. Es handelt sich um wirklich originelle, sehr persönliche Stücke, die der zeitgenössischen und improvisierten Musik näher stehen als der ethnischen Musik.


LE CORPS UTOPIQUE (trailer) from Harald on Vimeo.


Die Aufnahmen begannen im Herbst 2019 im Studio von Laurent Pernice. Dominique Beven improvisierte unter der Leitung des Komponisten eine Reihe von Melodien in drei zeitlich voneinander getrennten Sitzungen. Diese Tonaufnahmen wurden dann von Laurent Pernice neu arrangiert, gemischt und elektronisch manipuliert, um die Stücke zu produzieren, aus denen die Regisseure auswählen konnten.© Texte: ADN


Als Reflexion von Michel Foucaults gleichnamigem Radiovortrag „Der utopische Körper“ unternimmt Emma Gustaffson einen faszinierenden und verstörenden Tauchgang in die Intimität der Verbindung zwischen Körper und Geist. In dieser choreografischen Bearbeitung, die in Zusammenarbeit mit Laurent Hatat erfunden wurde, verkörpert der getanzte Körper von Emma Gustafsson das bewegte Denken des Philosophen. Wenn der Körper das Material des Essays des Autors ist, leiht die Tänzerin seine Natur, seine Textur, ihre Phantasie und ihre Stimme; sie spielt mit der Schönheit wie der Hässlichkeit ihres eigenen Fleisches in einer wahren Verflechtung aus Tanz und Theater. Ist der Körper des Tänzers nicht gerade ein Körper, der sich in einem Raum ausdehnt, der gleichzeitig innen und außen ist?

Festival off Avignon, 2021


14-Devant les murs de Troie

Diese Musik appelliert sehr an unsere Vorstellungskraft. Wir hören weder die Stimme von Foucault, noch können wir den Tanz sehen, auch wenn uns das Video ein kleine Ahnung davon gibt. Dazu kommt noch ein wahres Sammelsurium an Blasinstrumenten aus aller Welt, welche alle von Dominique Beven und Laurent Pernice gespielt werden. Mit Weltmusik hat das alles aber ein gar nichts zu tun. Glücklicherweise. Es ist ein Kaleidoskop an Farben, Sounds, Nuancen von Texturen. Jedes Instrument bringt dafür ihre eigenen spezifischen Klang mit ein, der dann mit mehr oder weniger mit elektronischenen Mitteln durch Laurent Pernice bearbeitet wurde. Gerade in den langsamen und ruhigen Stücken, kann sich die Magie dieser Kompositionen entfalten. Der Atem der für das spielen der vielen Blasinstrumente benötigt wird und der für das Tanzen und Sprechen gebraucht wird, all das wird hier in dieser Musik verhandelt. Faszinierend sind die vielen Facetten welche die verschiedenen Blasinstrumente einbringen und zusamen mit der Elektronik unsere Aufmerksamkeit fesseln. Ich wünsche dieser Musik viele Hörer!

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