Release Tipp: V.A. Epiphanies / Hallow Ground

„Epiphanies“ ist die erste Compilation vom Label Hallow Ground. Epiphanie = die unerwartete Erscheinung einer Gottheit, eine Offenbarung also, bzw. im weiteren Sinne ein (Erweckungs-) Moment von besonderer Tragweite. Kann die ausgewählte Musik dem gerecht werden?


Interessanterweise gibt es aktuell ein Interview von The Wire mit Remo Seeland, wo der Gründer des Labels über die Compilation „Epiphanies“ und sein Label spricht.

The Wire: Was ist der Grundgedanke von Hallow Ground?

Das Kernkonzept von Hallow Ground ist einfach: Wir veröffentlichen „Musik und Kunst, die zu Visionen führt“. Während die Bedeutung dieser Aussage etwas subjektiv ist, streben wir danach, dass jede Veröffentlichung über sich selbst hinausreicht, dass die Musik in jedem Hörer etwas Neues inspiriert und nicht nur als die Summe ihrer Töne existiert. Die Auswirkungen können ein veränderter geistiger und/oder körperlicher Zustand sein, der den Geist neu fokussiert, die Herzfrequenz verlangsamt und den Atem beruhigt. Unser Ziel ist es, die Zuhörer zu inspirieren, tief in sich hineinzuhören, damit sie die Entwicklung ihres kreativen Potenzials erkennen und eine gesteigerte Wahrnehmung in ihrem täglichen Leben erfahren.

Neben einer analytischen Herangehensweise an die Komposition sind wir auch an nicht-rationalen Methoden des Musizierens interessiert, die sowohl vom Komponisten als auch vom Zuhörer ein tieferes Engagement und eine größere Vorstellungskraft verlangen können.

Können Sie uns mehr darüber sagen, was Sie mit „Visionen“ meinen und warum sie so wichtig sind?

Wir charakterisieren die Bedeutung von „Visionen“ als sowohl offen als auch konkret, metaphorisch und physisch. Ich habe einen akademischen Hintergrund in Religionswissenschaften, habe aber auch verschiedene rituelle, Trance- und Meditationstechniken praktiziert. Bei einem längeren Aufenthalt in Indien entdeckte ich Nada-Yoga, einen Vorläufer des heutigen Konzepts des tiefen Zuhörens. Diese Jahre der Ausbildung waren prägend für mein Verständnis und meine Herangehensweise an das Produzieren von Musik; ich habe Musik mit diesem „visionären“ Schwerpunkt immer gegenüber kommerzieller Musik bevorzugt, die nur auf ihren Unterhaltungswert hin geschaffen wurde.

Wie, wenn überhaupt, hat die Musik, die Hallow Ground veröffentlicht hat, die Ziele oder die Identität des Labels seit seiner Gründung vor neun Jahren geformt oder verändert?

Eigentlich sind die Ziele dieselben geblieben, aber wir sind uns ihrer im Laufe der Jahre viel bewusster geworden. Der wachsende Katalog, der mittlerweile über 50 Veröffentlichungen umfasst, schien sich organisch und leicht zu entwickeln, während er natürlich eine kohärente Hallow Ground-Identität verkörpert. Ich denke, es war ein fruchtbarer und gegenseitiger kreativer Austausch zwischen den vielen talentierten Künstlern, mit denen wir zusammenarbeiten, und uns als Gastgeber des Labels.

Was passiert, wenn man Musik aus verschiedenen Hallow Ground-Veröffentlichungen zusammenstellt – warum trägt die Compilation den Titel Epiphanies?

Die Veröffentlichung von Epiphanies veranschaulicht perfekt die verschiedenen Interpretationen unserer Philosophie. Die Konzept-Compilation enthält neue und unveröffentlichte Stücke, die speziell für das Album geschrieben wurden. Jeder Künstler wurde eingeladen, einen nicht-rationalen kreativen Prozess zu verfolgen – mit einem eher physischen oder emotionalen als analytischen Ansatz, der in einer kollektiven Feier der Epiphanie durch Klang mündet. Als wir die Compilation vor zwei Jahren erstmals konzipierten, waren wir neugierig, ob sich dieser nicht-rationale Kompositionsprozess auf das Hörerlebnis übertragen würde. Kürzlich haben wir vor der Veröffentlichung eine Deep-Listening-Session veranstaltet und konnten feststellen, dass dies der Fall ist.

© The Wire 03/22



Mit Compilations ist es so eine Sache, sie können neue Horizonte eröffnen oder haben 1 oder 2 richtig gute Titel, wohingegen der Rest nicht mithalten kann. Glücklicherweise zählt diese Compilation zur ersten Kategorie. Ob man dabei unbedingt von Deep Listening sprechen muss, würde ich mal verneinen. Deep Listening ist auch gerade sehr in Mode gekommen. Musikfreunde die sich so einer Musik widmen ticken sowieso anders und nehmen diese Musik anders, weil bewusster wahr.
Generell hat es diese Auswahl in sich. Allein die Musiker, die hier dabei sind, lassen große Erwartungen entstehen und diese werden auch erfüllt. So möchte ich Euch nicht mit einer langen Aufzählung der einzelnen Musiktitel langweilen. Hierzu kann man im Internet ausführliche Beschreibungen finden.
Wer sich darauf einlassen will, der wird viele Perlen finden, in einer Compilation, die zu den besten des Jahres zählt. Auch wenn sich Remo Seeland im Interview sehr blumig ausdrückt, ist in allem ein bisschen Wahrheit drin.


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