Remixalbum von Galya Bisengalieva „Zwischen Geigenbogen und Geigerzähler“
Ein Musiktipp von Katja Kollmann (TAZ). Die Kasachin Galya Bisengalieva veröffentlicht mit „Polygon Reflections“ Remixe ihrer Songs von befreundeten Kollegen. Nicht alle sind gelungen.
Galya Bisengalieva entwickelt Klangmeere, die durch alle Hautschichten ins Körperinnere dringen und auf sinnliche Art elementar verunsichern. In der Musik auf ihren zwei hochgelobten Alben hat sich die kasachisch-britische Musikerin mit zwei charakteristischen und extrem verseuchten Landschaften ihrer kasachischen Heimat künstlerisch auseinandergesetzt.
Mit „Aralkum“ (2020) nähert sie sich dem ausgetrockneten Aralsee an. Auf den tiefen Klangwellen der elektronischen Drums surfend, liebkost ihr Geigenbogen die Saiten. Bisengalieva entlockt ihrem Instrument langgezogener Seufzer. Es ist, als hätte sie die Seele des verschwundenen Sees zum Sprechen gebracht. „Polygon“ (2023) nimmt Bezug auf das sowjetische Atomwaffentestgelände Semipalatinsk, in dem bis 1989 über 450 Atomwaffentests durchgeführt wurden.
Oder besser das Original!
© TAZ, Kultur, Musik, 12.9.2025