Spiel gegen die Zeit: Jazzrock-Saxophonistin Barbara Thompson ist tot. Von Harry Nutt.

Wozu Abschiede? Das Bedürfnis jedenfalls, niemals „Goodbye“ zu sagen, schien die britische Saxophonistin und Komponistin Barbara Thompson schon vor zwei Jahrzehnten verspürt zu haben.

Als sie 2005 mit ihrer Band Paraphernalia auf die „Never Say Goodbye“-Tour ging und dabei auch in vielen deutschen Städten Station machte, galt sie bereits als Urgestein des Jazzrock, der später zur genaueren Klassifizierung auch als Fusion-Jazz bezeichnet wurde. Vokabeln, mit denen die sowohl kraftvoll-geradlinig als auch sphärisch-sensibel intonierende Musikerin wenig anzufangen wusste. Für sie und ihren Ehemann Jon Hiseman, dem langjährigen Schlagzeuger der Band Colosseum, war es immer nur die Musik, die sie machen wollten.



Begegnet waren sie – 1944 in Oxford und London geboren – einander bereits in den 60er-Jahren im New Jazz Orchestra, zu dessen Mitbegründern Hiseman gehörte. Den Mix aus Rhythm & Blues und Modern Jazz verfeinerten sie im in den 70er-Jahren einflussreichen Avantgardeprojekt Colosseum, bei dem Thompson gelegentlich auch für Studioaufnahmen mitwirkte. Die Übergänge von Jazz und Rock waren fließend, so spielte Hiseman zusammen mit Jack Bruce von Cream, und als Schlagzeuger war er Nachfolger des legendären Ginger Baker bei The Graham Bond Organisation, zu dem auch Dick Heckstall-Smith gehörte.


„Playing against Time“ ist eine bewegende und kraftvolle Auseinandersetzung mit der Parkinson-Krankheit durch das Prisma der Musik, in der die virtuose britische Jazz-Saxophonistin/Komponistin Barbara Thompson (erstmals 1997 diagnostiziert) und ihr Ehemann, der brillante Jazz-Rock-Schlagzeuger Jon Hiseman, zu Wort kommen.

© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 11.7.2022

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