„Studie in weiß“ Der japanische Komponist Jōji Yuasa (1929-2024)
Von Stefan Fricke. Weißes Rauschen, musique concrète, Nō-Theater und Koan – in der Musik von Jōji Yuasa ist vieles eins und eins ist vieles.
Vor allem interessierte den japanischen Komponisten die Frage, wie sich die Ideen der europäischen Moderne mit japanischem Selbstverständnis zu einer avancierten Klangsprache verbinden ließen. Als Jôji Yuasa Mitte der 1970er-Jahre als Stipendiat des DAAD in West-Berlin weilte, notierte „Die Welt“ nach einem Lautsprecherkonzert in der Neuen Nationalgalerie: „Yuasa gilt als der Hexenmeister der Elektronik im Fernen Osten.“ 1929 in Koriyama geboren, studierte er Medizin, brach das Studium aber ab: zugunsten der Musik. 1951 gründete Yuasa mit Tôru Takemitsu und dem Musikologen Kuniharu Akiyama, die Avantgarde-Gruppe „Jikkenkôbô“ (Experimentelle Werkstatt). Man diskutierte, wie sich die Ideen der europäischen Moderne mit japanischem Selbstverständnis zu einer avancierten Klangsprache verbinden ließen. Daran arbeitete Yuasa, der 1988 bei den Darmstädter Ferienkursen dozierte und lange als Professor für Komposition an der Californian University San Diego wirkte, sein Leben lang.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 26.11.2024