Nachhören

Studio Akustische Kunst „Klänge zum Jahresbeginn“ Chronostasis

Unbemerkt geht in den letzten Dekaden eine Ära der Zeitmessung zu Ende, die von der Erfindung der ersten Sonnen- und Wasseruhren hin zur Atomuhr führte. 

Durch das Messen der Zeit anhand der Oszillation eines Cäsium-Atoms ist die Zeitmessung in gewisser Weise zu ihrem Ursprung zurückgekehrt, dem Ablesen der Zeit anhand natürlicher Prozesse. In „Chronostasis“ hinterfragt Andreas Bick unser Zeitempfinden. Der Begriff meint die Eigenschaft des Gehirns, Augenblicke subjektiv verlängern zu können. Wenn man etwa auf eine Uhr sieht, erscheint die erste Sekunde ausgedehnter als die folgenden. Bick spürt der Auflösung der Zeit nach. „Chronostasis“ setzt der Klangwelt der inzwischen aus unserem Alltag verschwundenen Uhrwerke ein Denkmal und führt Uromas Pendeluhr in unsere technologische und synchronisierte Jetztzeit, in der Zeitmanagement alles und das Gefühl des Zeitmangels allgegenwärtig ist. Das Hörstück „Chronostasis“ stemmt sich gegen das unerbittliche Fortschreiten der Zeit, indem es ihren Klang entmaterialisiert.



Chronostasis von Andreas Bick
Realisation: der Autor
Produktion: WDR 2009  

Andreas Bick, geboren 1964, Komponist von Filmmusik und Audio-Art-Hörstücken. Toningenieur und Musikproduzent. Lebt in Berlin. WDR Prix Ars Acustica 2001 für „Dripping“. „Chronostasis“ wurde bei den New York Festivals 2009 mit einer Silver World Medal ausgezeichnet.  

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