UKJazznew Musiktipp: Gerry Mulligan – Gerry Mulligan Meets – Classic Collaborations 1957-59 / Acrobat
Von Pete Lukas. Dieses Box-Set mit drei CDs vereint einige der bekanntesten Zusammenarbeit von Gerry Mulligan, darunter die Verve-Aufnahmen mit Stan Getz, Paul Desmond, Ben Webster und Johnny Hodges.
Die Aufnahmen mit Getz und Desmond zeugen von einer gemeinsamen musikalischen Verbundenheit und einer fast schon unheimlichen Fähigkeit, ihre Melodielinien auf fast telepathische Weise miteinander zu verflechten. Ihre von Lester Young geprägten Konzepte legten den Grundstein für einen Großteil der West-Coast-Cool-School und wandten sich dabei von den kraftvollen Improvisationsstilen von Charlie Parker und Dizzy Gillespie ab.
Die Aufnahmen mit Hodges und Webster sind ein großartiges Beispiel dafür, wie sich zwei grundlegend unterschiedliche Jazzrichtungen perfekt ergänzen. Mulligan bereitet sowohl Webster als auch Hodges mit seinen Kompositionen und der Auswahl der Rhythmusgruppen einen glanzvollen Empfang. „Tell Me When“ ist eine wunderschöne Ballade, die Websters herrlichen Ton perfekt zur Geltung bringt; Mulligans sanfte, sparsame Begleitlinien während der Melodie lassen bereits einige der schönen Arrangements erahnen, die er für seine gefeierten größeren Ensembles einsetzt.
Die andere hier enthaltene Aufnahme ist „Mulligan meets Monk on Riverside“. Eine faszinierende Begegnung sehr unterschiedlicher musikalischer Schulen. Thelonious Monks ganz eigenwilliger Ansatz beim Begleitspiel lässt dem Solisten viel Spielraum – man nehme nur „Rhythm-A-Ning“; Mulligans jahrelange Erfahrung im Spielen in Besetzungen ohne Klavier zeigt seine Fähigkeit, nach Belieben interessante Ideen zu entwickeln. Der großartige Wilbur Ware und der Pionier des Swing-to-Bop Shadow Wilson teilten beide ein tiefes Wissen und eine große Erfahrung mit Monks Musik, die hier in ihrer ganzen Pracht zur Geltung kommt.
Die ausführlichen neuen Liner Notes von Paul Watts beleuchten Mulligans Leben, Karriere und die Aufnahmen in diesem Box-Set und stützen sich dabei auf Informationen aus neueren journalistischen Quellen. © Texte: Pete Lukas.
© UKJazznews, 5.6.2026