UKJazznews Musiktipp: Hilary Jeffery– Green Prism / Discus Music
Von Kevin Whitlock. Es zeigt, wie hoch Keith Tippett geschätzt wird (und wurde), dass seit seinem Tod im Jahr 2020 fast monatlich neue Hommagen an den Mann und seine Musik erscheinen.
Die neue Aufnahme der in Großbritannien geborenen und in Berlin lebenden Posaunistin Hilary Jeffery ist die jüngste dieser Veröffentlichungen und unterscheidet sich deutlich von den anderen. Anstatt sich auf Tippetts primäres Kompositions- und Ausdrucksmittel – das Klavier – zu konzentrieren, stehen hier Blechblasinstrumente (Jeffery) und Holzblasinstrumente (Paul Dunmall am Sopran- und Tenorsaxophon sowie Tobias Delius an der Klarinette und am Tenorsaxophon) im Mittelpunkt, ebenso wie die Synthesizer-Texturen und die Elektronik von Eleni Poulou; für Substanz und Authentizität sorgt der Gesang von Julie Tippett – sie hat auch die Texte geschrieben.
Green Prism greift auf Kompositionen und Auftragswerke aus der späteren Schaffensphase von Tippett zurück; die Tatsache, dass der verstorbene Pianist und seine Frau Freunde und Mentoren des jungen Jeffery waren, bedeutet, dass der Posaunist eine tiefe Liebe und ein tiefes Verständnis für Tippetts Musik hegt; und interessanterweise muss man mit dieser Musik nicht unbedingt vertraut sein, um diese Platte zu genießen – sie funktioniert ganz für sich allein.
Wunderschön aufgenommen, besitzt Green Prism eine gewaltige, filmische Qualität und zeichnet sich durch einen brillanten Umgang mit Raum, Stille und Klangtextur aus. Mal bedrohlich und traurig („Green Prism Parthers“, „The Sigh“), mal feierlich („Dancing“), gelegentlich verwirrend („Thoughts“), ist dieses Album sowohl fesselnd und offenbart bei jedem Hören neue Ebenen, als auch ein starkes Argument – als ob es eines bedürfte –, dass Tippett zu den anderen gefeierten und kürzlich verstorbenen Giganten wie Mike Westbrook und Carla Bley gezählt werden sollte. Eine herausragende Hommage an einen großartigen Musiker. Das Vermächtnis lebt weiter!
© UKJazznews, 13.6.2026