VAN-Magazin: „Donau so blau“ Die Donaueschinger Musiktage im zweiten Jahr der Rilling-Ära
Von Eleonore Büning. Diversifikation ist gut für die Gewinnchance. Gleichviel, ob äußere oder innere Werte auf dem Spiel stehen, Aktienkurs oder Musikvermittlung.
Der Begriff stammt jedenfalls aus der Finanzwelt, er ist erst seit wenigen Jahren zu einem leicht abgefälschten Lieblingslehnwort geworden, das in den Diskursen um Musikproduktion und -rezeption herumgeistert, zumal der zeitgenössischen.
Politisch, gesellschaftlich, moralisch ist Diversity (zu deutsch: die Vielfalt) das Gebot der Stunde. Es geht dabei um gleichberechtigte Teilhabe, was mehr meint und etwas anderes ist als die akkumulierende Vervielfältigung. Zum Thema gemacht hatte das bereits der vorige Leiter der Donaueschinger Musiktage, Björn Gottstein. Für seine Nachfolgerin Lydia Rilling ist es nun ein erklärtes »Hauptanliegen«, das Programm dieses einmaligen, bereits über hundert Jahre alten Uraufführungsfestivals entsprechend zu erweitern und zugleich auch für die Teilhabe neuer Besucherschichten zu öffnen. Alle Genres, Stile, Strömungen, Moden und Methoden sind herzlich willkommen. Es gelte, so Rilling, die »pluralen Perspektiven von Künstler:innen verschiedenster Ästhetiken, Herkünfte, Ethnien, Religionen, sexueller Orientierungen und Identitäten« vorzustellen. Man kann feststellen: Das klappt. Erste Gewinne sind zu verzeichnen. Das liebe Schwarzwaldnest hat sich schon im zweiten Jahr der Rilling-Ära verwandelt in einen Ort des Aufbruchs. Statt Elfenbeinturm: Mahagonny-Land, wo jeder alles dürfen darf.
© Van Magazin, 23.10.2024