„Von Fuzz bis Wah-Wah“ Der Film »The Pedal Movie« ist Musikdoku und Promotion in einem von Chris W. Wilpert
Die Musikequipmentplattform Reverb hat einen Film über die Geschichte der Gitarreneffektgeräte produziert, der zugleich einer über die Geschichte der Rockmusik ist. »The Pedal Movie« erzählt aber auch davon, wie sich die alternative Musikindustrie ein neues Image zulegen will.
In dem Song »Hamburg rockt« kommentierten Tocotronic mit Verachtung die Arroganz, die dem Klischee nach in Musikgeschäften den Kunden entgegengebracht wird: »Gitarrenhändler, ich verachte euch zutiefst.« Die Gitarrenhändler hätten dem Musiker neues Equipment angedreht und ihn »wieder abgezockt«. Trotzdem ist den frühen Alben der Band eine ungebrochene Begeisterung für Gitarreneffekte anzumerken.
Tocotronic übernahmen damit den Habitus einiger ihrer Vorbilder des US-amerikanischen Alternative Rock. Bei Dinosaur Jr., Sonic Youth oder Nirvana wurden die Gitarrensounds mit zahlreichen Effekten bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, verändert, verfälscht. Der Waschmaschinenklang eines Chorus-Effekts ist vor allem aus »Come as You Are« von Nirvana geläufig. Kevin Shields von My Bloody Valentine ist für seinen originellen Umgang mit rückwärts abgespielten Hall-Effekten bekannt, J Mascis von Dinosaur Jr. dafür, zahlreiche Fuzz-Pedale übereinanderzuschichten. Mudhoney benannten ihr Debütalbum »Superfuzz Bigmuff« nach zwei Fuzz-Pedalen und demonstrierten damit, wie eng der Sound an die Technik gekoppelt ist.
© JungleWorld, Dschungel, 24.6.2021