„Weltkunst in der Provinz“ Eine Lange Nacht über 70 Jahre documenta in Kassel
Von Ludger Fittkau. Die Idee war kühn: in den Ruinen einer Stadt der Rüstungsindustrie alle fünf Jahre eine aktuelle Kunstausstellung mit internationaler Ausstrahlung veranstalten! Geht das? Bereits nach der ersten documenta vor 70 Jahren zeigt sich: Ja, es geht!
Und spätestens nach drei documenta-Ausgaben Mitte der 1960er-Jahre ist die Ausstellung ein internationales Ereignis mit großer Strahlkraft: Die Kunst in Kassel glänzt, zumindest alle fünf Jahre einmal, und sie greift in der Provinz die künstlerischen Themen Deutschlands, Europas und der Welt auf: Die 68er-Zeit, der Post-Kolonialismus, die Globalisierung und Kommerzialisierung des Kunstbetriebs – all das spiegelt sich in den bisherigen fünfzehn „Museen der 100 Tage“. Und dann hat doch ein Thema der Vergangenheit die documenta eingeholt und sie in eine existenzielle Krise gestürzt: In der letzten documenta-Ausgabe wird es wieder verspritzt – das Gift des Antisemitismus. Diesmal nicht von Nazis, sondern von linken Post-Kolonialisten aus Indonesien. Kleine Skandale gab es auf der documenta immer wieder, doch der Antisemitismus-Skandal 2022 stellte die Kasseler Ausstellung infrage wie noch nie. Die documenta 16 wird nun aber doch kommen – 2027. Die Lange Nacht zu 70 Jahren documenta bietet Rückblicke auf das „wilde Ding“ (Dorothee Wierling) von Kassel und Ausblicke auf die Zukunft einer Kunst-Institution, die gewissermaßen „auf Bewährung“ weitermachen darf.
Weltkunst in der Provinz
Eine Lange Nacht über 70 Jahre documenta in Kassel
Von Ludger Fittkau
Regie: Susanne Krings
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 7.6.2025