Winterreisen (1) Mit Interpretationen von Hans Zender, Eivind Buene, Tobias Schwencke und Nick Cave
In Schuberts Winterreise tun sich tiefe seelische Abgründe auf. Die 24 „schauerlichen“ Lieder wurden – und werden – immer wieder anders gedeutet. Kaum überschaubar sind inzwischen die vielen Bearbeitungen, Neulesungen und -vertonungen. Schuberts epochaler Liederzyklus fordert bis heute Komponierende, aber auch Literaten und Regisseure zu ganz eigenen, nachschöpferischen Auseinandersetzungen heraus.
Im ersten Teil unseres Streifzugs kommen Hans Zender, Eivind Buene und Tobias Schwencke/Nick Cave zu Wort. Als „komponierte Interpretation“ bezeichnet Hans Zender seine Version. Zender bringt die im Werk verborgenen inneren Stimmen ans Licht und macht Schuberts kühnen Vorgriff auf die musikalische Zukunft hörbar. Die Schubertiade scheint dagegen das Vorbild für die Schubert Lounge zu sein, die Eivind Buene in der Singer/Songwriter-Pose der 1970er Jahre, mit Fender Rhodes Piano und Popgesang inszeniert. Die Sphäre der Popmusik, aber auch der Brecht/Eisler-Tonfall bestimmt die neueste Version, eine zeitgenmäße Séance, die Songs von Nick Cave und Mahlers Adagietto einbezieht: Eine Geschichte der Sehnsucht, der Verzweiflung und des Trostes – die ganz direkt, fast ungeschliffen erzählt wird.
© WDR 3, Studio elektronische Musik,
Mit Ausschnitten aus:
Hans Zender: Schuberts „Winterreise“, eine komponierte Interpretation;
Hans Peter Blochwitz, Tenor; Ensemble Modern, Leitung: Hans Zender
Eivind Buene: Schubert Lounge für Stimmen und Ensemble;
Tora Augestad, Mezzosopran; Halvor Festervoll Melien, Bariton; Eivind Buene, Gesang und Fender Rhodes; Oslo Sinfonietta,
Klavier und Leitung: Christian Eggen
Franz Schubert / Tobias Schwencke / Nick Cave: Mercy Seat – Winterreise;
Charly Hübner, Stimme; Kalle Kalima, E-Gitarre; Carlos Bica, Kontrabass; Max Andrzejewski, Schlagzeug; Ensemble Resonanz