Zeit Online: Charlie Parker – „Der Beethoven des Jazz“von Stefan Hentz
Charlie Parker hat den Jazz revolutioniert: Der Saxofonist erhob die einst reine Unterhaltungsmusik zur autonomen Kunst. Sie klingt so zerrissen, wie es sein Leben war. Eine Würdigung zu seinem 100. Geburtstag.
Ein kleines Holzhaus in einer afroamerikanisch geprägten Nachbarschaft von Kansas City, die Straßen ohne Pflaster, staubig im Sommer, in der feuchten Jahreszeit watet man durch Schlamm. Hier bringt am 29. August 1920 Adelaide B. Boxley Parker ihr erstes und einziges Kind zur Welt: Charles Parker junior, der in seinem 34 Jahre langen Leben den Jazz revolutionieren und am Altsaxofon alle anderen Virtuosen überstrahlen wird.
Über Parker, dem man später den Namen „Yardbird“, oder kurz: „Bird“, gegeben hat, werden viele Geschichten erzählt – gesichert sind davon nur wenige. Auf eigentümliche Weise ist er als Person – im Unterschied zu Louis Armstrong, Dizzy Gillespie, Miles Davis oder John Coltrane – blass geblieben. Die Literatur über ihn ist dünn, kein Fotograf hat sich so intensiv mit Parker beschäftigt, dass daraus eine spezifische ästhetische Prägung hervorgegangen wäre, nur wenige Dokumentar- oder Spielfilme nutzen seine Musik oder Biografie. Und letztlich besteht auch das veröffentlichte Œuvre des Saxofonisten aus nur wenigen Aufnahmen und gut dokumentierten Phasen seiner Karriere.
© Zeit Online, Kultur, 29.8.2020
Hier noch ein Link zur Würdigung von Charlie Parkers Werk und seine Wirkung bis heute von Alan Scherstuhl (The New York Times). Mit vielen Tipps und Videos.