ZeitOnline: „Jazzvisite“ Live auf der Veranda Von Ulrich Stock
An Konzerte in Clubs ist wegen Corona weiter nicht zu denken. In Hamburg organisiert Eva Johannsen einstweilen Jazz-Auftritte in Privatgärten und Innenhöfen. Ein Besuch.
… dass ich den Namen der Straße schon mal gehört hatte, man kommt ja über die Jahre herum in der eigenen Stadt, selbst wenn sie so groß ist wie Hamburg mit seinen 104 Stadtteilen. Auf nach Poppenbüttel also in den Müssenredder, dessen Name von Pflichterfüllung zu berichten scheint, sich allerdings als von üppigem Grün umranktes Bürgerparadies erweist, ein Baumtraum mit eingestreuten Einfamilienhäusern.
Nie hätte ich gedacht, ausgerechnet hier, in einem akkurat gepflegten Hintergarten, nach Monaten virusbedingter Hördürre, mein erstes Live-Konzert zu erleben: ein köstlicher Sonntagnachmittag bei praller Sonne und frischen Böen, die den Musikern auf der Veranda die Noten umblättern.
https://youtu.be/rDtNUTTMFl0
Am Saxofon Adrian Hanack, am Kontrabass Giorgi Kiknaze, der dem auf dem Rasen hygienisch verteilten Publikum „das tollste Lied der Welt“ ankündigt, und, nachdem sie es gespielt haben, „noch ein tollstes Lied der Welt“ und dann noch ein „allertollstes“ und wahrlich ist es toll, toller und tollstens, nun endlich wieder Musik zu hören und zu sehen….
© Zeit Online, Kultur, 10.6.2020