Zum 100. Geburtstag: „Charles Mingus – ein Titan des amerikanischen Jazz“ Ein Kalenderblatt von Karl Lippegaus
Charles Mingus zählt zu den Größen des amerikanischen Jazz im 20. Jahrhundert. Als Bassist, Komponist und Bandleader schuf er – oft in nur einem Studiotag – große Alben und war für sein vulkanisches Temperament berüchtigt. Vor 100 Jahren wurde Mingus in Arizona geboren.
„Ich bin Charles Mingus. Halb Schwarzer, halb Gelber; aber nicht gelb und nicht dunkel genug, um als Schwarzer durchzugehen; und nicht hell genug, um Weißer genannt zu werden. Ich sage von mir: Charles Mingus ist Musiker, ein Bastard, der schön spielt, hässlich, lieblich, maskulin, feminin …”
Er konnte aus einem über 2000 Dollar teuren Kontrabass in purer Wut Kleinholz machen. Oder mit bloßen Händen die Stahlsaiten aus dem Klavier reißen. Er prahlte mit seiner Potenz, seinem unstillbaren Appetit; er verdiente viel Geld und starb völlig bankrott. Immer fühlte er sich von Rassisten und Betrügern umgeben. Charles Mingus, der sehr hellhäutig war, misstraute den Weißen und wurde zum Kämpfer gegen den Rassismus, mit den Mitteln des Jazz.„Wenn dir alles leicht gemacht wird im Leben, hast du keine große Lust, etwas Sinnvolles zu tun; eine Person, die immer kämpfen musste, hat einfach mehr zu sagen.“
© Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 22.4.2022