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70/80 Ritual Musik Theater (3/5): Luigi Nonos „Prometeo“

Die zu Ende gehenden 1970er-Jahre: die Technokratie der Musik durch die serielle Methode in der Sackgasse, die utopischen Hoffnungen der elektronischen Musik unerfüllt, der Zufall zur postmodernen Beliebigkeit verfallend.

Von Rainer Nonnenmann

Aus diesem Dilemma suchen so unterschiedliche Komponisten wie Wolfgang Rihm, Olivier Messiaen, Luigi Nono, Harrison Birtwistle und Per Nørgård einen Ausweg. Völlig unabhängig voneinander suchen sie zeitgleich die musikalische Authentizität in der Verbindung von Ritual, Musik und Theater. Es ist der unterbewusste Link höchst unterschiedlicher Konzeptionen, die alle Ausdruck einer musikalischen Zeitenwende sind.

Mit Beginn der 1980er Jahre suchte der italienische Komponist Luigi Nono den Ausweg aus der Krise. Diese war politischer und musikalischer Natur. Den wirklichkeitsverändernden Zusammenhang von Musik und Politik in seinem zweiten Musiktheaterwerk von 1975 „Al gran sole“ erklärte er als gescheitert. Gegen die äußere Bühne stellte er in „Prometeo“ die innere und nannte sein neues Musiktheater „Tragödie des Hörens“. Mit Hilfe der im Experimentalstudio des SWR erarbeiteten Live-Elektronik, erzeugt Nono Übergänge von Klang und Raum in feinsten Veränderungen. Es sind akustische „Rites de passage, / Übergangsriten“, die zu einer anderen akustischen Seinsweise führen.


© SWR 2, JetztMusik, 17.6.2019

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