ZeitOnline: „Husten Sie mich an, ich bin DJ!“ Wie helfen die finanziellen Hilfspakete den Kulturschaffenden Von Lars Schmedeke
Die finanziellen Hilfspakete für Kulturschaffende klingen gut, helfen aber vielen überhaupt nicht. Als Reeperbahn-DJ wäre ich besser dran, wenn ich mich infizieren würde.
Auf der Hamburger Reeperbahn, wo sonst die Massen tanzen, grölen und knutschen, stehen seit zwei Wochen die Plattenspieler still. Die Party ist in ganz Deutschland vorbei – und es scheint, wir, die sie am Laufen gehalten haben, werden um die Zeche geprellt.
Für uns DJs, Musiker und viele andere Freischaffende der Unterhaltung herrscht ein faktisches Berufsverbot. Die Folge: der ebenso plötzliche wie unverschuldete Verlust sämtlicher Einkünfte. Die Bundesregierung versprach schnelle und unbürokratische Hilfe. Wir stehen aber ratlos vor einem Dickicht an wohlklingenden Hilfsmaßnahmen, die sich nun als ernüchternd erweisen. Es drängt sich das Gefühl auf, Kulturschaffende seien unerheblich; wir sollten dankbar sein, nur auf das Existenzminimum zurückzufallen. Dabei locken wir Künstler Millionen zahlungskräftige Touristen in die Städte. Wir beuten uns selbst aus, weil eine lebendige Kulturszene für uns trotz allgegenwärtigen Geldmangels nicht verhandelbar ist. Wir leben nicht vom Trinkgeld für ein Hobby, wir arbeiten – ebenso hart wie alle anderen auch…
© ZeitOnline, Kultur, 1.4.2020