„Das war’s“ Eberhard Weber über das Abschiednehmen
Der bedeutende Jazzbassist Eberhard Weber kann nicht mehr spielen, doch nun ist eine Aufnahme aus dem Jahr 1994 erstmals erschienen. Ein Gespräch über das Abschiednehmen. Von Reinhard Köchl.
Eberhard Weber hat als Jazzbassist mit seinem Instrument neue Maßstäbe gesetzt, bis ein Schlaganfall im April 2007 seine aktive Karriere als Musiker jäh beendete. Nun ist unter dem Titel „Once Upon A Time (Live in Avignon)“ ein Bass-Solowerk von ihm erschienen, ein Livemitschnitt aus dem Jahr 1994. Weber, der im kommenden Januar 82 Jahre alt wird, wurde zuletzt in seiner Heimatstadt Esslingen, wo er aufwuchs, zur Schule ging und lange mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Hildegard lebte, das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Dieses Interview wurde Ende Oktober am Telefon geführt, Weber hielt sich in seinem Haus im südfranzösischen Vic Sainte-Anastasie auf. Hin und wieder blitzte sein beißender Sarkasmus früherer Tage auf. Aber viele Gespräche dieser Art, sagte Weber ruhig und bestimmt, werde es nicht mehr geben. Irgendwann ist halt wirklich mal Schluss.
ZEIT ONLINE: Ihr neues Album trägt den Titel Once Upon A Time: „Es war einmal“. Damit ist wahrscheinlich nicht nur das Aufnahmedatum August 1994 und Avignon als Ort Ihres Auftritts gemeint.
Eberhard Weber: Ich wollte es eigentlich ganz anders nennen.
ZEIT ONLINE: Wie denn?
Weber: Last Stroke! Das hätte zwei Bedeutungen gehabt: Zum einen der „letzte Streich“. Und zum anderen eben „letzter Schlaganfall“. ECM-Chef Manfred Eicher fand das nicht so passend. Deshalb heißt die CD nun eben Once Upon A Time.
© Zeit Online, Kultur, 6.11.2021