NMZ: Im Labyrinth der Bezüge: Das Berliner Festival MaerzMusik hinterlässt gemischte Eindrücke
Das Berliner MaerzMusik-Festival erprobt und diskutiert ein erweitertes Verständnis Neuer Musik und ihrer Präsentation, weg vom tradierten Konzert, hin zum offenen Event und diskursiven Formaten. Das franst gelegentlich aus in die Beliebigkeit. Von Regine Müller.
In diesen Tagen steht der Sinn eigentlich nach anderen Dingen, als ausgerechnet Fragen zum Fortschritt der Neuen Musik zu diskutieren. Und das schon gar nicht in Berlin, wo Ankommende am Hauptbahnhof mit der neuen mitteleuropäischen Realität des nicht nachlassenden Stroms von ukrainischen Flüchtlingen konfrontiert werden. Und wenn dann beim Spaziergang Unter den Linden die russische Botschaft mit viel Polizeipräsenz großflächig und streng abgesperrt ist, wird der Ernst der Lage unübersehbar. Dennoch nimmt in Berlin der Kulturbetrieb, endlich befreit von den langen Einschränkungen, nahezu unbeirrt seinen Lauf.
Darunter auch die MaerzMusik, die seit jeher als eines der sperrigsten unter den Neue-Musik-Festivals gilt und sich – zumindest auf den ersten Blick – in diesem Jahr besonderes hermetisch gibt. Offenbar aber schrecken weder die unübersichtliche Webseite, noch die Fülle des Programms, noch die teils rätselhaften Veranstaltungstitel ab. Denn das Publikum – bis zum Festivalende hat man 6.000 Besucher gezählt – kommt, hört, diskutiert und besucht die Workshops. Ob dieser Zuspruch etwas daran ändern kann, dass die Neue Musik nach wie vor eher eine Nischen-Existenz im Kulturbetrieb fristet, bleibt abzuwarten.
© NMZ, 30.3.2022