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„Wie die Axt im Walde“ Hartmut Welscher über die Rede von Tom Buhrow

„Ich werde einfach sagen, was ich denke“, leitete der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow seine Hamburger Rede ein. Für die Rundfunkorchester hat er dabei offensichtlich nicht viel übrig. Nur soll er das dann auch sagen, statt sich hinter „dem Beitragszahler“ zu verstecken.

Wenn in den letzten Jahren Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk geübt wurde, ging es zum Beispiel um Parallelstrukturen bei Fernsehprogrammen und Hörfunkwellen, zu hohe Intendant:innengehälter und Pensionsansprüche, teure Sportübertragungen, zu wenig Meinungsvielfalt, mangelnde Staatsferne, Korruption und Vetternwirtschaft, die Selbstbedienungsmentalität und eine zweifelhafte inhaltliche Qualität des Programms – schlechte Shows, schlechte Serien, schlechte Filme. 

Worum es eher nicht ging: die Orchester, Chöre und Big Bands der Sender. Das liegt vermutlich nicht daran, dass eine Kritik an den Klangkörpern ein »Tabuthema« oder deren Existenz unbekannt wären. Wahrscheinlicher ist, dass selbst vielen Kritiker:innen des öffentlich-rechtliche Rundfunks andere Punkte wichtiger sind, oder dass es einen breiten Konsens darüber gibt, dass die Arbeit der Ensembles gut und wichtig ist und zum »Rundfunkauftrag« gehört. 

Es ist daher unaufrichtig, wenn der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow seine ›privaten Gedankenspiele‹ über die Rundfunkensembles hinter einem vermeintlichen Wunsch der Beitragszahler versteckt: »Wollen die Beitragszahler die insgesamt 16 Ensembles: Orchester, Big Bands, Chöre, die die ARD derzeit unterhalten?«, fragte er letzte Woche in seiner Rede vor dem Hamburger Übersee-Club, nur um die Antwort rhetorisch schon vorwegzunehmen: 2.000 Menschen, alle fest angestellt, und das, obwohl es in Deutschland ja schon mehr als 120 Berufsorchester gibt, wer will denn sowas?



VAN Magazin, 9.11.2022

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