Neues Album von Angel Bat Dawid „Auf göttlicher Mission“
Die US-Musikerin Angel Bat Dawid legt mit „Jazz is dead“ ein kontroverses Konzeptalbum vor. Zu ihrem Ziel gehört auch die Ausrottung des Rassismus. Von Maxi Broecking.
Ein Requiem für den Jazz. Diese in der römisch-katholischen Kirche liturgische Form der Totenmesse bildet das Korsett der Musik auf dem neuen Album der in Chicago lebenden Komponistin, Klarinettistin und Sängerin Angel Elmore alias Angel Bat Dawid. Sie hat eine 12-sätzige Suite als Abgesang auf eine Etikettierung konzipiert, die mehr bedeutet als ein musikalisches Genre.
Diese Musik war, so erklärt die 1979 als Tochter von Baptistenpredigern geborene Künstlerin, nichts weniger als eine Überlebensstrategie für Schwarze in den USA. Jazz sei tot, postuliert Elmore, jedenfalls das, was dieser Begriff für sie beinhaltet: ein „weißes“ Konstrukt, das die originäre Leistung Schwarzer Künstler:innen und ihre Urheberrechte nicht anerkennt und damit sinnbildlich für Unterdrückung und Diskriminierung steht.
© TAZ, Kultur, 4.3.2023