R.I.P. Ahmad Jamal (1930-2023) Nachrufe und Musik
Der amerikanische Jazzpianist Ahmad Jamal hat den Jazz durch das reduzierte und umso prägnantere Spiel seines Trios bereichert. Am Sonntag ist er 92-jährig verstorben. Von Claus Lochbihler.
Das Leben des Pianisten Ahmad Jamal, das ganz der Musik und insbesondere dem Jazz gewidmet war, zählte mehr Jahre, als das Klavier Tasten hat: 92. Mit drei Jahren nahm er Klavierunterricht, mit zehn Jahren trat er professionell als Pianist auf. Und bis ins hohe Alter spielte er auf höchstem Niveau, wobei er vor allem mit seinen stilbildenden Trio-Aufnahmen Jazzgeschichte schrieb. Am vergangenen Sonntag ist er zu Hause in Ashley Falls, Massachusetts, einem Krebsleiden erlegen.
Geboren am 2. Juli 1930 als Frederick Russell Jones in Pittsburgh, wuchs der Musiker in bescheidenen Verhältnissen auf. Die Mutter aber sparte, um dem Sohn bald klassischen Klavierunterricht zu ermöglichen – für einen Dollar die Woche, was viel Geld war. Liszt war dem musikalischen Jungen bald so vertraut wie die Virtuosität des Jazzpianisten Art Tatum.
© NZZ, Feuilleton, 17.4.2023
Meister Funkelnder Konturenschärfe
Der Pianist Ahmad Jamal ist tot. Miles Davis sagte einst über diesen herausragenden amerikanischen Jazzmusiker: „Ich fiebere jeder neuen Platte von ihm entgegen.“ Jetzt ist, wie die „Washington Post“ berichtet, Ahmad Jamal im Alter von 92 Jahren gestorben. Von Roland Spiegel.
Er war noch bis ins hohe Alter aktiv: nicht selbstverständlich bei einem Musiker, dessen Stil stets von besonderer Brillanz und außergewöhnlich raffinierten Details geprägt war. Im Februar 2020, kurz vor Ausbruch der Corona-Krise, gastierte er noch im Kennedy-Center in Washington – das war wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag. Und dabei hatte er laut der lokalen Presse immer noch eine funkelnde musikalische Präsenz: mit zugleich viel Kraft und Delikatesse des Anschlags und schillernder Spiel-Phantasie. 2019 war sein Album „Ballades“ erschienen – es war zugleich ein Debüt: sein erstes- Solopiano-Album. Sehr überrascht hatte er seine Anhänger auch schon im Jahr 2016 – da war er 85 – als er mit dem 1975 geborenen Rapper und Slam-Poeten Abd Al Malik zusammenarbeitete – für ein Stück, in dem er der 2600 Jahre alten französischen Stadt Marseille huldigte, die er offenbar besonders liebte. 2017 erhielt er einen Grammy für sein Lebenswerk. Am 16. April 2023 ist Jamal in seinem Zuhause in Ashley Falls, Massachusetts, an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.
© BR Klassik, Jazztime, 17.4.2023