Musiktipps

R.I.P. Karl Berger (1935-2023) Nachrufe und Musik

Seinen Einfluss auf die internationale Jazzszene seit den sechziger Jahren kann man kaum überschätzen. Nun ist Karl Berger, der in Frankfurt auch lehrte, in Amerika im Alter von 88 Jahren gestorben.

„Ein Weltmusiker in Frankfurt“ Von Wolfgang Sandner


In seinem Einfluss auf die internationale Jazzszene seit den Sechzigerjahren – in Amerika und von da wiederum zurückstrahlend auf Europa – kann man ihn kaum überschätzen, auch wenn sein Name vorwiegend dem inneren Zirkel der Avantgardisten etwas bedeutete. Karl Berger, aus Heidelberg stammend und seit den Siebzigerjahren vorwiegend an der amerikanischen Ostküste aktiv, gehörte zum Quintett des Free-Jazz-Pioniers Don Cherry in Paris und nahm 1966 mit ihm die für die formalen Konzepte des zeitgenössischen Jazz wegweisende „Symphony for Improvisers“ auf.



In dieser Zeit verlegte er seinen Wohnsitz dann nach New York, trat als Vibraphonist mit diversen amerikanischen Bands auf und lehrte kurze Zeit als promovierter Musikwissenschaftler und Soziologe an der New School for Social Research in New York, bevor er Anfang der Siebzigerjahre mit Ornette Coleman und seiner Frau, der Sängerin Ingrid Sertso, das Creative Music Studio in Woodstock, New York gründete. Die Institution, an der er unter anderen George Russell, John Cage, Allen Ginsberg, Anthony Braxton, Jack DeJohnette und Lee Konitz, später auch Marilyn Crispell oder Vijay Iyer arbeiteten, wurde für viele Jazzmusiker zu einer wichtigen kreativen Anlaufstelle auf dem Weg zur internationalen Karriere.

© FAZ, Kultur, 12.4.2023



Zum Tod des Jazzmusikers Karl Berger „Erforscher von Hör-Horizonten“ Von Roland Spiegel

Der Jazzmusiker Karl Berger ist tot. Der Vibraphonist und Pianist aus Deutschland ging früh in die USA und hatte dort Einfluss auf viele andere Musiker. Er arbeitete mit so berühmten Kolleginnen und Kollegen wie Pharoah Sanders, Angélique Kidjo und auch dem Avantgarde-Komponisten John Cage zusammen. Und er machte „Weltmusik“, lange bevor dieser Begriff geläufig war. Am 9. April 2023 ist Karl Berger in Albany, New York im Alter von 88 Jahren gestorben.

Kaum ein anderer deutscher Jazzmusiker setzte sich so nachhaltig in den USA durch, wie er: Der Vibraphonist und Pianist Karl Berger war, ein Musiker, den es besonders dazu drängte, nicht bei Erreichtem stehenzubleiben. Sein Schaffen ist von einer ständigen Suche nach neuen Horizonten geprägt – und auch davon, dass er das Ohr auch auf das richtete, was hinter diesen Horizonten war. Nur so kam es, dass der 1935 in Heidelberg geborene Musiker zu einer international bedeutenden Figur zunächst des Free Jazz und schließlich der sogenannten „Weltmusik“ wurde. Karl Berger war das Gegenteil eines musikalischen Eurozentrikers. Ihn interessierten musikalische Wurzeln unterschiedlichster Art – und das Freilegen dieser Wurzeln in aktuellen Klängen.



© BR Klassik, 11.4.2023


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