Neues von Mudhoney: Unter der Decke
Die Gitarrenschlonzband Mudhoney bringt mit „Plastic Eternity“ ein überraschend melodisches neues Album raus. Von Benjamin Moldenhauer.
Mudhoney waren schon vor Nirvana und Pearl Jam da, also noch bevor Grunge durch die Decke ging. Und sind dann eher unter der Decke geblieben. Oder unter dem Radar, wie man will. Vielleicht lag es daran, dass Mudhoney-Sänger Mark Arm anders als Eddie Vedder zur Schmerzensmannperformace nicht gewillt war und ist. Und anders als Kurt Cobain immer recht gelöst und heiter wirkte. Und wirkt. Wenig Identifikationspotenzial also damals für den und die typische Neunzigerjahre-Slackerin.
Was schade ist, denn Mudhoney waren eigentlich konsequenter in der drömeligen Verweigerungshaltung, die nicht kämpferisch auftritt, sondern ihre Durchschlagskraft aus der Verpeiltheit bezieht, also aus der Fähigkeit, Dinge nicht auf die Kette zu kriegen. Mit der Haltung kann man dann auch in 35 Jahren irgendwas um die 15 Alben mit Gitarrenschlonz vollspielen, eines lustiger als das andere.
© ND, Kultur, 24.4.2023