Iranischer Musikunderground in Berlin „Mit Handballen für die Freiheit“
Der Sampler „Tehran Contemporary Sounds“ versammelt iranische Underground-Musik. In Berlin stieg am Donnerstag die Release-Party. Von Robert Miessner.
Der Weg in den Teheraner Underground führt durch Niederschöneweide zu einer Industrieruine. Zwischen Schnellerstraße und Spreeufer träumen ein massives Backsteinschloss und seine ausgedehnte Anlage in der Berliner Nacht. Haus und Hof gehörten zur volkseigenen „Bärenquell“-Brauerei, die dort über das Ende der DDR hinaus bis in die 90er Jahre arbeitete.
Mittlerweile ist der Technoclub RSO eingezogen. Über seinen Tresen wandern kleine Biere aus der Dunckerstraße im Prenzlauer Berg und große aus München. In die von Stahlträgern und Säulen abgestützten Werkstatträume hatte am späten Donnerstagabend das Festival und Label Teheran Contemporary Sounds (TCS) eingeladen und dort bis in den Freitagmorgen eine breite Palette elektronischer Musik aus dem Iran aufgefahren.
Der Grund des eingeschworenen Stelldicheins war die Veröffentlichung des zweiten TCS-Samplers. Dass der anders als sein Vorgänger diesmal auf Tape und Download erscheint, gibt ebenso Anlass, über die ökonomische Lage experimenteller Musik nachzudenken, wie die Wahl des Ortes nahe der südöstlichen Peripherie der deutschen Hauptstadt.
© TAZ, Kultur, 5.5.2023