VerhoovensJazz empfiehlt: Carlos Bica Playing with Beethoven
Eine Aufnahme, die sich der Bewertbarkeit entzieht – es wird nicht allen behagen, wie Beethoven als Chiffre genommen wird, ihn eben nicht zu dechiffrieren, nicht zu überhöhen, eher nicht zu hinterfragen, sondern ihn in seinen Fragmenten und kleinsten Anteilen anzunehmen und mit ihm zu spielen.
Im Anfang hast du diesen einen typischen Beethoven. Ein Akkord, dramatisch gesetzt, der große Wumms. In Stück 1 – Leonore. Das zieht sich durch Beethovens Werk. Mit allem, was das Orchester bietet, hinein in den einen ungestümen Akkord – kannst du dir in fast allen Ouvertüren und Sinfonien anhören – so eröffnen Bica, Erdmann und Barradas mit Dj Illvibe, dem Sohn von Alexander von Schlippenbach, auch.
Zwischenzeitlich knistert es, von Band, von Tape, als Scratch – das kennen wir aus der Aufnahme I Am the Escaped One aus dem Jahr 2019, das Scratchen und Samplen erfährt einen vorläufigen Höhepunkt in Wo Dein Sanfter Flügel Weil. Die Bezüge zur Neunten Sinfonie sind erkennbar – die aber werden fragmentiert – in die Ferne projiziert – wie in einem Film über ein vertrocknetes Land – in kleinen Teilen quasi die ganze Romantik von den Vorzeichen ihres Idealismus befreit.