Jazzpreis Berlin für Taiko Saito: Fünfeinhalb Oktaven Holz
Beim Preisträgerkonzert in der RBB Dachlounge demonstriert Taiko Saiton eben nicht nur ihre technischen Fähigkeiten, sondern auch ihre ungemeine Vielfalt. Von Gregor Dotzauer.
Palisander ist ein ganz besonderes Holz. Wenn es aus den tropischen und subtropischen Wäldern, in denen es gedeiht, in zivilisiertere Gebiete gelangt, krümmt es sich getrocknet gerne zu Gitarrenzargen, dient als Griffbrett oder schwingt mit seiner unvergleichlichen Dichte und Härte als Boden unter Fichten- oder Zederndecken. Noch höhere Weihen erfährt es in Geigenbögen, Wirbeln, Kinn- und Saitenhaltern. Doch nur in den Klangstäben der Marimba kehrt es ein Stück weit an den Ort zurück, dem es entstammt – und dem es in den vergangenen Jahren oft genug räuberisch entrissen wurde.
Geheimnisvoller, wie ein ausgehöhlter Baumstamm, gibt es seine Resonanzfähigkeiten trotz minimalem Sustain in den tiefen Regionen auf keinem anderen Instrument preis. Weiter oben hebt ein dumpfer Gesang an, und im Diskant, wo sich die Baumkronen zum Himmel hin lichten, klackert es munter vor sich hin.
© Der Tagesspiegel, Kultur, 4.7.2023