100 Jahre Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin: Das Jubiläumskonzert in der Philharmonie / zum nachhören
Vor genau 100 Jahren, am 29. Oktober 1923, begann der Rundfunk in Deutschland – und im selben Augenblick die Geschichte des RSB. Jetzt wurde mit einem Jubiläumskonzert gefeiert. Von Udo Badelt.
Runder als 100 geht kaum. Zu so einem Anlass holt man sich natürlich die Kulturstaatsministerin, mindestens. Claudia Roth erinnert zu Beginn des Jubiläumskonzerts in der Philharmonie daran, dass das Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB) in aufgewühlten, düsteren Zeiten entstand: Inflation, Hitler-Putsch. Und dass die Welt heute ähnlich dunkel sei, womit sie sicher nicht die einen Tag zuvor erfolgte Zeitumstellung meint.
Roth macht das einzig Richtige, gedenkt der israelischen Opfer vom 7. Oktober und sagt, es sei absolut inakzeptabel, wenn „dieser Blutrausch auf deutschen Straßen gefeiert“ werde – was natürlich überhaupt nicht ausschließt, auch das Leid der Menschen in Gaza zu benennen. Die schon fast vergessene Ukraine erwähnt sie ebenfalls, bevor sie auf die Musik kommt: „Wir sind verdammt stolz auf dieses Orchester, wir brauchen Sie, immer und immer wieder, und zwar hier, live!“. Eine gute Rede.
© Tagesspiegel, Kultur, 30.10.2023