Juli Zeh im Interview: „Man glaubt den Leuten nicht, dass sie sich anstrengen“
Bestseller-Autorin Juli Zeh beschreibt in Romanen, wie das Landleben funktioniert. Für die Bauern-Proteste hat sie eine Erklärung. Von Matthias Iken.
Woher kommt die Wut der Bauern? Bestseller-Autorin und Juristin Juli Zeh lebt seit vielen Jahren in der Brandenburger Provinz. Mit ihren Romanen „Unterleuten“ und „Über Menschen“ hat sie Großstädtern nähergebracht, was Menschen in sehr dünn besiedelten Gegenden bewegt. Ein Gespräch über Unverständnis der Städter, Wut, gesellschaftliche Spaltung und die Kraft der Literatur.
In Ihrem jüngsten Roman „Zwischen Welten“ geht es um den Dialog alter Freunde aus Studientagen, die sich fremd geworden sind. Theresa wurde Landwirtin in Brandenburg, Stefan stellvertretender Chefredakteur einer Wochenzeitung aus Hamburg. Hätte Theresa nun mit dem Trecker in Berlin demonstriert und Stefan den „Mähdrescher-Mob“ gegeißelt?
Juli Zeh: Mit Sicherheit. Die beiden Protagonisten stehen tatsächlich für zwei Seiten in unserer Gesellschaft, die immer wieder aufeinanderprallen. Theresa hat als Milchbäuerin einen in jeder Hinsicht harten Job, fühlt sich von der Politik zurückgelassen und manchmal auch vereimert, schlägt sich mit den Sorgen des täglichen Lebens herum und hat enormen Frust aufgebaut.
© Berliner Morgenpost, 13.1.2024