„Ich folge den Ablagerungen der Geschichte in mir“Eine Lange Nacht über den israelischen Filmemacher Amos Gitai
Amos Gitai – Filmemacher des jüdischen Israel in all seinen Widersprüchen und Konflikten. Er ist unbequem und herausfordernd – und überaus produktiv: in 40 Jahren sind über 60 Dokumentar- und Spielfilme entstanden. Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog.
Vom Staat zensiert, geht Amos Gitai ins Exil und kehrt zurück nach der Wahl Yitzhak Rabins zum Ministerpräsidenten 1992. Heute in beiden Welten lebend, eckt er mit seinen Filmen immer wieder an, hinterfragt die Gewaltgeschichte seines Landes, die Diskriminierung der Palästinenser und politische Mythen – der Linken wie der Rechten, der Israelis und der Palästinenser. Impulsgeber ist dabei seine Familiengeschichte – Mutter Sabra, Vater Ashkenasi – und die Bibel. Kein anderer israelischer Filmemacher bringt so stark religiöse Texte ins Spiel. Sein Kino ist der Versuch, in einer Architektur des Realen zusammenzufügen, was auseinanderzufallen droht, im nomadischen Dasein Identitäten zu schaffen inmitten vollständiger Orientierungslosigkeit. Gitai versucht, Erinnerungen zu bewahren im Augenblick ihrer allgegenwärtigen Zerstörung und Anhaltspunkte zu verorten angesichts der Auflösung aller Koordinaten – eine Chronik des Verschwindens, zugleich Utopie einer anderen Realität.
„Ich folge den Ablagerungen der Geschichte in mir“
Eine Lange Nacht über den israelischen Filmemacher Amos Gitai
Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog
Regie: Claudia Mützelfeldt
(Wdh. v. 27./28.01.2018)
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 13.1.2024