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Essay: Natur in der Stadt (1) Gärtnern als Lebensform

Von Yvonne Volkart. Im Garten zu arbeiten, vermittelt vielen Menschen eine tiefe Bindung zur Natur, egal ob es das eigene Grün ist oder der Stadtraum beim Urban Gardening. Längst ist aus der privaten Liebhaberei des Gärtners ein politischer, existentieller Akt geworden.

Die gärtnerische Praxis vermittelt uns gerade in Zeiten des Klimawandels und des Anthropozäns ein reiches Bewusstsein für die Transformationskräfte des Lebendigen, für Anpassungsvorgänge, Eigengesetzlichkeiten und die Unvorhersehbarkeiten des biologischen Werdens und Vergehens, die Geheimisse des Kompostierens. Das Gärtnern vergegenwärtigt uns, dass wir als menschliche Wesen nicht außerhalb der Natur stehen oder sie als bloßes Gegenüber betrachten, sondern dass wir Teil dieser Prozesse sind. Als solche erfahren wir eine Lebensform der Sorge und werden im Garten zu Care-Workern. Gärtnerische Praktiken im Ganzen entsprechen einer neuen Öko-Logik des Sorgens und der Sorge, in deren Zentrum Handlungsweisen der Aufmerksamkeit, des Sich-Kümmerns, des Heilens und Reparierens stehen.



Yvonne Volkart ist Leiterin Forschung und lehrt Kunst- und Medientheorie am Institut Kunst, Gender, Natur an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel und leitet das Forschungsprojekt „Plants_Intelligence. Learning like a Plant“. Ihr jüngstes Buch „Technologies of Care“ (2023) ist im diaphanes Verlag erschienen.

© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 28.7.2024

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