Essay „Der Wolf und wir“ Darf der Jäger zum Gejagten werden?
Von Wiebke Hüster. Wie kein anderes Tier ist der Wolf eine Projektionsfläche für menschliche Ängste einerseits, für die Sehnsucht nach der Natur andererseits. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist die Ansiedlung des Wolfs ein gesamtdeutsches Renaturierungsprojekt.
Wölfe sind in unseren dicht besiedelten Landschaften zum Symbol eines hoffnungsvollen „Zurück zur Natur“ geworden. Etwa 1600 Wölfe gibt es in Deutschland, wahrscheinlich sogar mehr. Die Ausbreitung vor allem in Ostdeutschland zeigt, dass Wölfe keine Wildnis brauchen, um sich gut zu vermehren.
Die für die eigentlich scheuen Wölfe nutzbaren Gebiete in Deutschland sind besetzt, sodass sich die Nachkommen immer stärker in menschlich genutzte Gebiete ausbreiten. Mittlerweile kommt es beispielsweise zu rund 4000 gerissenen oder verletzten Nutztieren pro Jahr.
Wiebke Hüster ist seit mehr als zwei Jahrzehnten die Tanzkritikerin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sie berichtet auch im Deutschlandradio über die aktuellen Entwicklungen dieser Kunstform in all ihren Facetten. 2017 hat sie ihre Liebe zur Natur zum neuen Thema in der Zeitung entwickelt. Für das Feuilleton schreibt sie seitdem Essays über Wald, Wild, Landwirtschaft und Jagd. Ihre aktuelle neue Serie heißt „Zurück zur Natur“. Sie verbringt viel Zeit draußen und im Gespräch vor Ort mit den Berufsjägern, Förstern, Landwirten und Wissenschaftlern ihres über die Jahre gewachsenen Expertennetzwerks. Die 59-Jährige ist Mutter von drei Kindern und lebt in Frankfurt am Main.
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 8.12.2024