Luigi Nonos spätes Hauptwerk „Prometeo“ oder die Notwendigkeit des Hörens an sich
Von Florian Neuner. An der Entstehung der „Tragödie des Hörens“ lässt sich ablesen, wie Nono in seiner letzten Schaffensphase an einer nach innen gerichteten Ästhetik feilte, der er gleichwohl subversive Kraft zutraute.
In seiner 1984 in Venedig uraufgeführten „Tragödie des Hörens“ reduziert Nono das Musiktheater auf die Bewegung von Klängen durch den Raum. Ursprünglich für die säkularisierte Kirche SanLorenzo in Venedig konzipiert, erlebte Luigi Nonos „Prometeo“ mehrere Metamorphosen und wurde immer wieder an neue Räume adaptiert – an eine Mailänder Fabrikhalle ebenso wie an die Berliner Philharmonie. An der Entstehung der „Tragödie des Hörens“ lässt sich ablesen, wie Nono in seiner letzten Schaffensphase an einer nach innen gerichteten Ästhetik feilte, der er gleichwohl subversive Kraft zutraute. Zwischen der politisch engagierten Musik seiner Frühzeit und dieser Poetik der Stille sah er keinen Widerspruch, sondern das Resultat einer Entwicklung. Matteo Nanni spricht von einer „Politik des Hörens“ beim späten Nono.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 7.1.2025