Das neue Album von Bob Mould: Endlich Dunkelheit am Ende des Tunnels
Von Karl Fluch (Der Standard). Der Wegbereiter des Alternative Rock („I Hate Alternative Rock“) veröffentlicht das Album „Here We Go Crazy“. Ein harter Brocken vor dem Herrn.
Sein Antlitz lässt tief blicken. Eine Frohnatur wird er nicht mehr. Andererseits hat Bob Mould mittlerweile 64 Jahre im grauen Bart, da braucht er nicht mehr umlernen. Und das Schattseitige, das zwischen brutaler Verzweiflung, brutaler Lautstärke und brutalem Riff beheimatete Grundgefühl des Mannes ist es, was seine Fans an ihm lieben. Zumal er sich Brechungen zugesteht, die zärtlich sein können, von Zweifeln durchzogen. Das ganze Programm menschlicher Unzulänglichkeiten. Und er hat früh ein Ventil für sich erkannt: Bob Mould ist Musiker, einer von einem gewissen Einfluss.
Einer, der das Feld für viele aufbereitet hat, der aber die Ernte nie in dem Ausmaß einfahren konnte, wie weit unbedeutendere Nachfolger und längst vergessene es konnten. Doch wenn David Grohl (Nirvana, Foo Fighters) ihn begrüßt und ihm sagt, dass er tief in seiner Schuld steht, ist er wenigstens kurz ins rechte Licht gerückt.
© Der Standard, Kultur, Musik, 5.3.2025