Endlich wieder ein Album! – In den neuen Songs lässt Andrew Bird die Dämonen der Pandemie sprechen.

Der amerikanische Singer/Songwriter pfeift auf Studio-Tricks. Am liebsten singt er auf der Bühne. Um so mehr plagten ihn die schlaflosen Nächte während den Lockdowns. Von Claus Lochbihler.

Der grösste Raum, das sei natürlich das Draussen, sagt Andrew Bird im Zoom-Interview. Und als ob er diesen Satz beweisen müsste, verlässt er plötzlich den Tisch in seinem Wohnzimmer und geht hinaus in den Patio seines Hauses in Los Feliz, einem Stadtteil von Los Angeles, in dem er auch während der Pandemie mit seiner Band proben konnte. Grüne Pflanzen vor weissen Wänden, singende Vögel, kalifornisch blauer Himmel. Die Szenerie erinnert an Zeilen, die Bird im neuen Song «The Night Before Your Birthday» singt: «Oh siestas in June, catlike repose, lizards on the tile, music from another room.»

Andrew Bird, geboren 1973, mag weite Räume, seit er mit Ende zwanzig in einer alten Scheune auf der Farm seiner Eltern in Illinois gelebt hat. Er habe damals – von 2001 bis 2005 – herausfinden wollen, wie er klinge, wenn er sich von Schallplatten und CD, vom Radio und von der Musikszene Chicagos, wo er zuvor lebte, befreie. Andrew Bird also wohnte und geigte einsam in einer Scheune im Mittleren Westen und horchte nach der Musik in sich selbst.



Vielfalt der Musik

Die «extreme Erfahrung» der frei gewählten Isolation vermisse er nicht, hingegen die Scheune. Damals habe er sich an Bewegungsfreiheit und viel Luft gewöhnt. Und nun gebe es für ihn nichts Schlimmeres, als in engen Apartments musizieren zu müssen. Andrew Bird ist ein Musiker, der sich sein eigenes Genre erschaffen hat, indem er sein eigenes Musizieren, sein Songwriting und seine Umgebung immer wieder neu erforschte. Der singende Geiger, der exquisit pfeifen kann und sich auf der Violine, dem Ursprung seines Musizierens, gerne loopt, firmiert dabei meistens unter Bezeichnungen wie «Folk-Pop», «Indie-Rock» oder «Indie-Folk».




© NZZ, Feuilleton, 3.6.2022

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