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Filmtipp: „Gaucho Gaucho“ Wo die Kettensäge schweigt

Von Georg Seeßlen (JungleWorld). Menschen, Tiere und der Horizont: Der Fotograf Michael Dweck und der Kameramann Gregory Kershaw begleiten in einem eindrucksvollen Dokumentarfilm eine Gruppe von Rinderhirten in Argentinien. „Gaucho Gaucho“ lockt mit einem Gegenentwurf zum kleinbürgerlichen Leben in der Stadt.

Das Leben hierzulande wird allmählich unerträglich. Während alles auf uns herniederstürzt, ohne dass sich wenigstens ein Sichtfeld des Kaputten eröffnen würde, wie es in post­apokalyptischen Visionen der Fall zu sein pflegte, verengt sich auch das Biographische. Wann warst du eigentlich das letzte Mal wirklich du? In welcher Vergangenheit, in welcher Ferne waren oder sind Menschen noch Subjekte ihrer eigenen Geschichte? Zwischen Technologie und Kapital ist an so etwas nicht zu denken.

Aber davon träumen wird man doch noch dürfen. Von einem einfachen, vielleicht harten, aber selbst geführten Leben. Für die einen ist das nur noch als „Superheld“ möglich, für die anderen in einem „natürlichen“ Leben. Da hat jeder Handgriff einen Sinn und jedes Wort spricht aus einer Seele. Im Kino oder einem anderen Imaginationsraum kann man das ebenso Kitsch wie Kunst nennen, es kommt wohl auf die Mischung von Sehnsucht und Melancholie an, mit der man die entsprechenden Bilder verarbeitet. Oder einfach nur ablagert.

© Jungle World, Dschungel, 11.9.2025

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