Release Tipps: Sounds zwischen Dystopie, dunklen Gärten und Grooves
Musik von Armando Balice, Durán Vázquez + Kloob, Jo Montgomerie, Matthias Puech und weiteren. Das ist wieder eine gute Gelegenheit, um mehrere Releases miteinander zu verbinden, die gewisse Ähnlichkeiten aufweisen. Denn sie alle arbeiten mit verschiedenen Arten von Soundlandschaften, die jeweils ihre eigene Ästhetik und Wirkung entfalten.
Ausschlaggebend waren allerdings zwei Releases. Armando Balice vom empreintes DIGITALes und Durán Vázquez + Kloob vom Crónica-Label. Beide Labels sind wahre Leuchttürme, was ihre Veröffentlichungen anbetrifft. Acousmatische Musik ist eher das Metier von empreintes DIGITALes, während Crónica eher für experimentelle Field Recordings steht. Ich würde sagen, dass sie für neugierige Hörer, die mit Herausforderungen umgehen können, geradezu Pflicht sind. Denn sie können auf neue Pfade locken. Zu jedem Release werde ich ein paar Worte schreiben, die Liner Notes sind auch mit dabei.
Und was ganz wichtig ist: Alle vorgestellten Veröffentlichungen hätten einen eigenen Beitrag verdient, was ich aber absolut nicht schaffe. Viel Spaß beim Entdecken!
Armando Balice – Du noir tout autour / empreintes DIGITALes
Imposant, beeindruckend und sehr dicht prallen hier die von Armando Balice kreierten Sounds und Field Recordings aufeinander. Das ist nichts für schwache Nerven, denn gerade die großen Lautstärkeunterschiede können ganz schön erschrecken. Der Aufbau der Stücke hat eine Wirkung der Überwältigung. Gerade unter Kopfhörern wird das zu einem Erlebnis. Nur ist bei der gewählten Lautstärke Vorsicht geboten. „Rundherum nur Schwarz“ ist der Titel des Albums. Es enthält erschreckend viel Dunkelheit in all seinen imaginären Gärten, aber der Gang durch eben jene Gärten hat viele schöne Momente.
Durán Vázquez + Kloob – Vinum Sabbati, In the Dawn of Science Fiction / Crónica
Noch düsterer, ja, ein regelrechter akustischer „Horror“, ist das, was Durán Vázquez + Kloob für uns bereithalten. Es gibt kein Entrinnen aus dieser Dystopie. Auch dieses Release ist nichts für schwache Nerven. Mitunter brutal brechen ihre Soundkaskaden über uns herein. Ihre Inspirationsquelle ist Arthur Machen, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Ihre Musik ist quasi der Soundtrack zu seinen Geschichten, in denen allerlei Monster vorkommen. Auch hier ist die vorherrschende Farbe eher schwarz und das Ganze ist in seiner Konsequenz sehr beeindruckend. Sehr stark.
Jo Montgomerie – Ephemeral Rituals / The Helen Scarsdale Agency
Im Vergleich zu den dystopischen Klangräumen, die doch eher statisch sind, wirken die akustischen Kreationen von Jo Montgomerie wie eine Erholung. Es sind Studien in Rhythmus, Groove und Sound. Sie haben eine sehr hypnotische Wirkung und sind ausgesprochen faszinierend. Vor allem gefällt mir, wie sich ihre Stücke entwickeln. Als Referenz finde ich Demdike Stare sehr passend, ich werde mir ihre letzten Veröffentlichungen genauer anhören. Eine starke Entdeckung!
Matthias Puech – La Traversée / Hallow Ground
Weiter geht es mit Matthias Puech und seinem „Soundtrack“ zu Homers Odyssee. Die fantasievollen und spielerischen Stücke entstehen auf seinem Eurorack-Modularsynthesizer. Diese Musik wird zu einer abwechslungsreichen, eigenwilligen Reise durch eine Geschichte, die jeder kennt. Matthias Puech schafft es, Klangräume entstehen zu lassen, die unserer Fantasie keine Grenzen setzen, sondern sie beflügeln. Insgesamt eine spannende akustische Reise.
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