„Auf dem Wege zu einer neuen Klangkunst“ Gerhard Steinke im Gespräch mit Gerhard Schwalbe. Eine Sendereihe des Rundfunks der DDR
(1/16): Aus der Arbeit des Experimentalstudios für künstliche Klang- und Geräuscherzeugung im Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt der Deutschen Post (RFZ): Das Subharchord. Deutschlandsender 09.03.1965. Vorgestellt von Stefan Fricke.
1965/66 schickte der Deutschlandsender in Ostberlin eine mehrteilige Radioreihe in den Äther. Ihre Protagonisten: Gerhard Steinke, Ingenieur beim Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt Berlin, und Gerhard Schwalbe, Musikredakteur des Deutschlandsenders. Ihre Themen: die Geschichte und Entwicklung der elektronischen Musik anhand ausgewählter elektrischer Instrumente und internationaler Studios. Von den insgesamt 16 produzierten Sendungen in Dialogform gingen nur 15 on air. Folge 11 mit Produktionen des WDR-Studios für elektronische Musik wurde, obwohl programmiert, nicht ausgestrahlt – wohl wegen eines tagesaktuellen DDR-BRD-Konfliktes (die Ursendung im April 2012 machte der Hessische Rundfunk). Übrigens ist es wohl diese Sendereihe, die erstmals das Wort „Klangkunst“ in die Öffentlichkeit brachte, nicht als Vokabel für Installationen, in denen Sounds, Objekte und Räume eine ästhetische Einheit bilden, sondern – in Anlehnung an den Begriff „Tonkunst“ – als Alternative für Musik; denn so wollte Gerhard Schwalbe die angeblich melodie- und rhythmusfreien Kreationen aus Sinustönen und anderen elektroakustischen Materialien nicht nennen. Die Reihe ,,Auf dem Wege zu einer neuen Klangkunst“ ist eine Anthologie avancierter ästhetischer Ideen der 1950er- und 1960er-Jahre sowie ihrer Manifestationen, zudem ein bisher kaum beachtetes Dokument der jüngeren Musikgeschichte und der deutsch-deutschen Geschichte.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 30.10.2025