Musiktipps

Jazztrail Release Tipp: Ingrid Jensen – Landings / Newvelle Records

Die vielseitige kanadische Trompeterin und Komponistin Ingrid Jensen – ein wichtiges Mitglied des gefeierten rein weiblichen Jazzensembles Artemis – behauptet sich mit ihrem neuen Album „Landings“ weiterhin als souveräne Bandleaderin und einfallsreiche Komponistin.

Das Album, das anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des französischen Labels Newvelle Records exklusiv auf Vinyl erscheint, umfasst acht Titel: fünf Eigenkompositionen von Mitgliedern ihres Quartetts und drei sorgfältig ausgewählte Coverversionen.

Jensen wird von der schwungvollen Rhythmusgruppe aus dem Gitarristen Marvin Sewell, dem Organisten Gary Versace und ihrem Ehemann, dem Schlagzeuger Jon Wikan, begleitet und begrüßt den legendären Saxophonisten George Coleman beim atemberaubenden Opener „Amsterdam After Dark“. Das 1978 von Coleman komponierte Stück wird in funkelnder Form dargeboten und ist eine subtile Verbeugung vor Chick Corea und Donald Byrd. Mit 89 Jahren ist Coleman nach wie vor prägnant und konzentriert und webt schnelle, facettenreiche Linien über harmonisch reichhaltige Texturen, während Jensens inspiriertes Trompetensolo mit strahlendem Ton, bemerkenswertem Tonumfang und eindrucksvoller Melodik glänzt.

Jensens eigenes Stück „New Body“ taucht mit Bravour in atmosphärische Balladenwelt ein, beginnend mit einer Rubato-Gitarre, bevor es sich in einen stetigen 4/4-Takt einpendelt und in einem hauchigen, kontemplativen Ausklang gipfelt. Der Titeltrack „Landings“ zeichnet sich durch anpassungsfähige Grooves, melodische Wucht und harmonische Nuancen aus, wobei er Post-Bop- und Fusion-Elemente vermischt und später R&B- und Funk-Strukturen erkundet.

Carla Bleys impressionistischer Klassiker „Ida Lupino“ wird mit sanfter Raffinesse wiedergegeben, während Sewells „The Worker’s Dance“ sich in einem festen 3/4-Takt verankert und die semi-akustischen Texturen des Gitarristen sowie Versaces treibende Orgel hervorhebt. Versaces eigene Komposition „Many Homes Many Places“ vermittelt eine lebhafte Wes-Montgomery-Trio-Atmosphäre, verschmolzen mit von Miles Davis inspirierten elektrischen Klängen, die es dem Ensemble ermöglichen, frei zu swingen und ein knackiges, reaktionsschnelles Zusammenspiel zu entfalten.

Das Album schließt mit dem herrlich bluesigen „Home“ des Trompeters Jim Knapp, einem Stück, das eng mit Jensens Live-Repertoire verbunden ist. Geprägt von Wikans einfühlsamem Besenspiel, zeigt der Titel den Zusammenhalt und den melodischen Charme des Quartetts. Landings bestätigt die Kunstfertigkeit von Jensen und ihren Mitwirkenden und liefert Musik, die sowohl technisch meisterhaft als auch zutiefst überzeugend ist.

© Jazztrail.net, 23.2.2026

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