Essay: Die neuen Dealmaker oder Über Wirtschaftskriege und Kriegswirtschaften
Von Markus Metz und Georg Seeßlen (DLF). Mit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident zerbricht die Nachkriegsordnung der Weltwirtschaft. Handelskriege und nationale Egoismen prägen Politik und Ökonomie. Zahlen die Bürger den Preis für Profite und Macht?
In der zweiten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident wird klar, dass die Wirtschaftsordnung, die die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte und die von der Dollar- und Gold-Garantie des Bretton-Woods-Abkommens über die Verflechtungen internationaler Konzerne bis zur „Globalisierung“ der Wirtschaft reicht, vorüber ist.
Amerika will wieder „great again“ sein, indem es sich allein auf den eigenen Vorteil beruft, auch wenn die Zeche dafür – wie bereits zuvor – vor allem die Wählerinnen und Wähler der „konservativen“ Partei des Präsidenten zahlen müssen: Niedrige Löhne sind Voraussetzung für die Gewinnmargen im internationalen Wettbewerb.
Trump kehrt das Verhältnis von Ökonomie und Politik um. Seine Zollpolitik, so chaotisch sie auf den ersten Blick sein mag, reagiert darauf, dass die Vereinigten Staaten als Markt und Börsenplatz interessanter sind denn als Produktionsstandort. So macht Trump nicht mehr allein Politik für die Wirtschaft, sondern auch Politik mit der Wirtschaft. Er entfacht Handelskriege gerade mit jenen Ländern, die einst enge Partner – in der Nachkriegszeit sogar eine Art Währungsunion – waren und arrangiert sich zugleich mit Diktaturen und Terrorstaaten.
Zur selben Zeit, da sich die größten Wirtschaftsmärkte der Welt und ihre Verbündeten in immer weitere Wirtschaftskriege verwickeln, schalten in vielen Ländern die Ökonomien von einer zivilen in eine Kriegswirtschaft um. In Deutschland ganz besonders wird sichtbar, dass Kriegswirtschaft auch als Mittel gilt, soziale und ökonomische Krisen zu bekämpfen: etwa, wenn dafür geworben wird, dass sich die Automobilindustrie in Teilen in eine Rüstungsindustrie verwandelt. Kriegswirtschaft verbindet staatlichen Dirigismus mit Marktwirtschaft.
© Deutschlandfunk. Essay und Diskurs, 15.3.2026