Jazztrail Musiktipp: Bill Frisell – In My Dreams / Blue Note Records
Der Gitarrist und Komponist Bill Frisell ist weithin bekannt für seine Gewandtheit im Avantgarde-Jazz und Post-Bop, wobei er gleichzeitig Country- und Folk-Traditionen aufgreift – Stile, die er mit einer unverwechselbaren Note und Klangwelt nahtlos miteinander verbindet.
In My Dreams entfaltet sich als eine weitere schlüssige und fesselnde musikalische Erzählung mit neun Eigenkompositionen und drei Coverversionen, die alle mit der leisen, stimmungsvollen Ausstrahlung von Frisells in Amerika verwurzelter Ästhetik dargeboten werden. Der Gitarrist versammelt ein bewährtes Streichtrio – Cellist Hank Roberts und die Geigerinnen Jenny Scheinman und Eyvind Kang sind langjährige Wegbegleiter – sowie eine Kern-Rhythmusgruppe mit dem Bassisten Thomas Morgan und dem Schlagzeuger Rudy Royston.
Das live aufgenommene Programm beginnt mit dem Violinduo „Trapped in the Sky“, gefolgt von „When We Go“, das aus Frisells Debütalbum Rambler (ECM, 1985) stammt. Frisell hält die Struktur relativ geradlinig und leitet das Stück mit pointillistischen Gesten, sich wiederholenden Texturen und geschmeidiger Phrasierung ein, bevor der elegante, präzise 4/4-Takt einsetzt, der Jazz- und Folk-Elemente anmutig miteinander verwebt. Das Streicharrangement erweist sich als besonders raffiniert, und das Stück endet mit einem sanften, funkigen Schwung.
Die impressionistische Country-Folk-Atmosphäre kehrt mit „Home on the Range“ zurück, das im 3/4-Takt fließt und das Album mit einer warmen und bejahenden Note abschließt. Das Finale beinhaltet schwungvolle Effekte, Loops und prägnante Violinen-Einwürfe. Frisells unverwechselbare Klangpalette, die den Raum mit bemerkenswerter Leichtigkeit und Weisheit gestaltet, wird durch die tiefe Sensibilität des Ensembles für die Musik noch verstärkt und sorgt dafür, dass das Interesse des Zuhörers nie nachlässt.
© Jazztrail, 19.3.2026