Free Jazz Collective – Release Tipp: Irreversible Entanglements- Future Present Past / Impulse!
Von Martyn Schray. Nach Protect Your Light ist Future Present Past das zweite Album von Irreversible Entanglements auf Impulse! Und kommen wir gleich zur Sache: Auch wenn es vielleicht nicht ganz die Radikalität und Frische von Open The Gates und Who Sent You erreicht, ist Future Present Past dennoch ein herausragendes Album! Während die Free-Jazz-Momente etwas zugänglicherem Spiritual Jazz sowie afro-karibischen und afrikanischen Einflüssen gewichen sind, ist die Dringlichkeit der Musik nach wie vor deutlich spürbar.
Die Band selbst wird oft als Free-Jazz-Kollektiv beschrieben (auch wenn der Free-Jazz-Anteil mittlerweile geringer ist) und besteht nach wie vor aus der Dichterin und Sängerin Camae Ayewa (alias Moor Mother), dem Trompeter Aquiles Navarro, dem Saxophonisten Keir Neuringer, dem Bassisten Luke Stewart und dem Schlagzeuger Tcheser Holmes. Hier gewinnt das Album jedoch durch Gastauftritte des New Yorker Vokalisten MOTHERBOARD (Kyle Kidd) und von Helado Negro, einem Sänger mit ecuadorianischen Wurzeln, noch mehr Tiefe. Gleichzeitig unterstreicht dies die Verbindung zu anderen, ähnlichen Projekten wie dem Sun Ra Arkestra und dem Art Ensemble of Chicago, da Future Present Past zunehmend einen perkussiven Ansatz mit Gesang verbindet.
Was dieses Album jedoch auch von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der deutlichere Einfluss von Charles Mingus’ Musik. Im unerbittlich treibenden „Panamanian Fight Song“ vereinen Irreversible Entanglements alle auf dem Album erkundeten Klangwelten in einem einzigen Stück. Es ist sicherlich kein Zufall, dass der Titel des Stücks an Mingus’ berühmten „Haitian Fight Song“ erinnert. Hier wird auch deutlich, dass dies Musik ist, die sich der Traditionen bewusst ist, sie ehrt, im Hier und Jetzt verankert ist, aber auch in die Zukunft weist. Future Present Past.
© Free Jazz Collective, 13.4.2026