Musiktipps

UKJazznews Musiktipp: Fjall – Helt / Discus Music

Von Kevin Whitlock. Martin Archer ist ein vielbeschäftigter Mann. Er leitet nicht nur das unternehmungslustige (und äußerst produktive) britische Indie-Label Discus Music, das er 1994 gegründet hat, sondern ist auch ein namhafter Holzbläser, Produzent und Meister einer Vielzahl ungewöhnlicher Instrumente. Viele davon sind auf dem Album Helt von Fjall zu hören. Archer beschreibt dieses Album, eine Aufnahme von zwei „vollständigen“ Konzerten, als „das letzte Statement der Gruppe“.

Fjall wurde 2022 gegründet und wird von Archer und dem ebenfalls vielseitigen Instrumentalisten Jan Todd geleitet – die Band zeichnet sich durch eine Fülle von Instrumentalklängen aus. Zu dem Duo gesellen sich hier die beiden Schlagzeuger und Perkussionisten Richard Jackson und Fran Comyn. Im Altnordischen bedeutet „Fjall“ „der raue Hügel“. Diese Veröffentlichung dokumentiert zwei Live-Auftritte der Gruppe, einen am 27. April 2025 im „Sidney & Matilda“ in Sheffield und den anderen am 7. Dezember 2023 in der Samuel Worth Chapel, ebenfalls in Sheffield.

In den Begleittexten wird das Publikum bei diesen beiden Konzerten als „aufmerksam“ beschrieben, und man kann verstehen, warum: Es handelt sich um mitreißende Musik der allerbesten Art. Auf zwei CDs, 158 fesselnden Minuten und nur vier sehr langen Titeln wird der Hörer auf eine bemerkenswerte Reise mitgenommen, deren Zweck nicht darin besteht, ein Ziel zu erreichen, sondern vielmehr in der Reise selbst liegt.

Unterwegs begegnen wir einer Vielzahl von offenen Klangtexturen und Klängen (sowohl akustischen als auch elektronischen), die beim ersten Hören formlos klingen – doch bei Musik wie dieser zahlt sich aufmerksames, konzentriertes Zuhören aus. Die Klänge selbst – Klirren, Knallen, Kratzen, Klappern, Klicken, Piepen, Rumpeln, Trillern, Kaskaden, ferne Hup- und Knurrgeräusche, langgezogene Töne von Rohrblättern – sind der Kern, und mit der Zeit zeichnen sich Muster ab. Es wird auch deutlich, dass The Fjall versuchen, eine Art zeremonielle Volksmusik zu schaffen, die in der Natur und in Ritualen verwurzelt ist.
Zu den ungewöhnlicheren Instrumenten (vollständige Liste siehe unten) gehören Bb- und Bassklarinetten, Sopraninosaxophon, Dudelsack-Chanter, Stimmgabeln, Loops und Delays, die elektrische Harp-E, eine kreuzbesaitete Harfe, ein gestrichenes Psalterium, Tagelharpa, Hulusi-Flöten, Waterphones, Idiopan sowie Feldaufnahmen und Stimmfetzen.

Ein bemerkenswertes Album, das man vielleicht am besten in Ruhe zu Hause genießt – bei ausgeschaltetem Licht, mit Kopfhörern, einem guten Wein oder einem guten Whisky. Wer offen für Neues ist, wird großen Gefallen an Fjalls Reisebericht finden – mir ist es jedenfalls so gegangen.

© UKJazznews, 14.6.2026

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