UKJazznews Musiktipp: Nduduzo Makhathini – The Myth We Choose / Blue Note
Von Mike Collins. Die ersten Takte von Kuzodlula, dem Eröffnungsstück von Nduduzo Makhathinis neuem Album – seinem vierten bei Blue Note –, entführen uns direkt in seine Welt.
Ein paar Phrasen von Robin Fassies intimem Trompetenklang schweben über Dalisu Ndlazis Bassdrone und vereinzelten Noten von Makhathinis Klavier, bevor der Bass in Bewegung kommt, während der Pianist einsteigt und einen vom Gospel geprägten, hymnischen Gesang einbringt. Der Song entfaltet sich durch eine zurückhaltende, aber weitreichende und emotionale Erkundung des Themas durch Makhathini am Klavier, bevor sich die Musik zu einem Höhepunkt steigert, bei dem Makhathini und Fassie gemeinsam wie ein Chor einen lyrischen Kommentar darüber schweben lassen. Es ist ein bewegender Auftakt, der die Weichen für ein abwechslungsreiches Album stellt, das sowohl sorgfältig zusammengestellt ist als auch eine unmittelbare Wirkung entfaltet.
Er hat viel über die Gedanken und Absichten hinter seiner Musik zu sagen, nicht zuletzt in seiner Doktorarbeit, und seine Live-Auftritte sind ausnahmslos mit Kommentaren und Diskussionen gespickt. Die Begleittexte zum Album sind sehr umfangreich, doch die zum Nachdenken anregenden Worte sind nicht unbedingt notwendig, um die musikalische Absicht zu erfassen. Die Ohren reichen aus, um die Unmittelbarkeit und den Reichtum zu hören und die emotionale Wucht zu spüren. Es ist ein äußerst lohnendes Hörerlebnis.
© UKJazznews, Alle Texte: Mike Collins, 25.6.2026