Bandcamp Musiktipp: Nu Jazz – Un Jazz / Orange Milk Records
Von Shaun Brady. Nimm das, KI. Klar, die Lieblings-Plagiatsmaschine deines Lieblings-Tech-Bros kann Teile aus jedem Genre und jeder Epoche der Musikgeschichte zu einem Frankenstein-Monster zusammenfügen; aber vergiss niemals: Jedes Glied, jedes Organ und jede Zelle dieses Monsters war von Anfang an tot.
Doch Nu Jazz, ein widerspenstiges Konglomerat abstrakter Schöpfer aus dem gesamten Spektrum der New Yorker Underground- und Experimentalmusikszene, erschafft seine Hybride auf altmodische Weise: Sie werfen diese lebendigen, atmenden Musikstücke gemeinsam in einen Raum, schalten das Licht aus und lassen der Natur ihren chaotischen, delirierenden Lauf. Die Ergebnisse mögen unvorhersehbar sein, sie mögen den Namen „Mutant“ als Segen und Fluch tragen, sie werden in den Augen der meisten, die nicht abenteuerlustig sind, mit ziemlicher Sicherheit hässlich wirken; doch sie werden vor instinktivem, rasendem Leben nur so strotzen.
Vielleicht ist das alles ein bisschen posthuman, aber nur insofern, als es lebhaft im Blick behält, dass das, was danach kommt, auf den Trümmern dessen aufgebaut sein muss, was davor war, und dabei die chaotische, leidenschaftliche Genetik bewahrt, die uns sowohl erfinderisch als auch selbstzerstörerisch gemacht hat. Im besten Sinne ist Un Jazz ein Cronenbergscher Body-Horror als Musikfestival am Ende des Universums.
Lang lebe das neue Fleisch.
© Bandcamp Daily, 28.7.2026